Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra

Im nachfolgenden Artikel werden die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra und die Reise dorthin beschrieben.

Was ist Unified Communication?

Wer auf der Suche nach seitenlangen Erklärungen für diesen Begriff ist, wird wie fast immer auch bei Wikipedia hier fündig. Wenn Sie es lieber kurz und knackig lieben, dann nachfolgend meine Definition:

Unified Communication, also zu Deutsch „vereinheitlichte Kommunikation“ ist das Bestreben, alle Formen der elektronischen Kommunikation unter ein gemeinsames Dach zu bekommen.

Also ähnliche aber traditionell unabhängige Systeme wie Email, Instant Messaging, Videokonferenz, Presence, Screen Sharing, etc. in einem gemeinsamen System zu vereinen. Natürlich soll dieses eine System auf allen Endgeräten lauffähig sein, die der einzelne User oder die Usergruppen verwenden.

Anstatt wie oft auf diesem Blog soll es diesmal aber nicht um die Technologie gehen, sondern das Thema soll vielmehr aus Organisationssicht betrachtet werden; frei nach dem Motto: Wo steht (m)ein Unternehmen? Welche Stufen haben wir schon erklommen und was liegt vor uns?

Aktuelle Entwicklungen und ein paar Zahlen

Folgende Fakten sind vielleicht schon einzeln bekannt, wenn man diese jedoch geballt auf einem Blick sieht, verdeutlicht sich das Thema doch sehr:

  • Collaboration Tools verdrängen zunehmend herkömmliche Telefonnebenstellen-Anlage in großen Unternehmen
  • Schon mehr als 40% aller Telefonate innerhalb eines Unternehmens sind Confcalls. Diese Zahl steigt weiter rasant an; das herkömmliche 1:1 interne Telefonat stirbt aus
  • 75% der User verwenden drei oder mehr verschiedene Geräte
  • Die Mehrzahl der großen Unternehmen haben zusätzlich zu zwei oder mehr unterschiedlichen Unified Communication Plattformen noch mehrere Fabrikate von klassischen Telefonanlagen im Einsatz. Man ist also von „Unified“ meilenweit entfernt!
  • Weniger als 50% der eigentlich im Unternehmen vorhandenen UC-Lizenzen sind bei den Users ausgerollt; noch weniger sind im aktiven Gebrauch! (Stichwort: MS Office 365 E3/5 Abo)
  • Als die drei Top-Hindernisse für den verstärkten Einsatz und die Zentralisierung von UC gelten: Politik, Business Case und das IT-Netzwerk.

Quelle: Wainhouse Research 2016 nach Befragung bei IT-Entscheidern

Die fünf Stufen

Wo stehen nun die einzelnen Unternehmen? Nachfolgend die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra.

Stufe 1: Das Unternehmen mit den vielen Silos

Organisationen auf dieser Stufe haben meist mehrere, teils sogar noch analoge Telefonanlagen; oft sogar von verschiedenen Herstellern. Wenn Collaborations-Tools eingesetzt werden, dann wurden diese abteilungsweise bzw. projektbezogen beschafft. Klassische Beispiele sind hier Cisco Webex oder Teamviewer, die „irgendwann“ einfach da waren.
Collaboration ist noch keine stratgische Angelegenheit im Unternehmen und wird daher nur punktuell eingesetzt. Dazu passt auch, dass das Information Sharing noch nicht in der Unternehmenskultur angekommen ist; ganz im Gegenteil ist das Horten und „Verstecken“ von Informationen gang und gäbe.

Stufe 2: Das Unternehmen der verbesserten Kommunikation

Hier öffnet die Standardisierung auf leistungsfähige IP-Netzwerke die Türen für den vermehrten Einsatz von Collaboration. IM Instant Messaging Systeme kommen vermehrt und gesamtheitlich zum Einsatz und das Prinzip der Presence verändert die Kommunikation. Die Anzahl der Emails geht wie von Geisterhand zurück.
Die Qualität und die Quantität der Zusammenarbeit steigt, alles hat aber noch einen Touch von „die da oben wollen, dass wir so arbeiten“. Early Adaptors erkennen jedoch schon den Wert und setzen vermehrt auf die neuen Tools.

Stufe 3: Das integrierte Unternehmen

Die einzelnen Kommunikations-Silo werden zunehmend verbunden, alles wächst zusammen. Klassische Beispiele sind SIP-Anbindung von Videokonferenz-Systemen, damit man mit der hochwertigen Audiotechnik der VideoKonf auch an Telefonkonferenzen teilnehmen kann oder auch die Anbindung der Instant Messaging Plattformen wie MS Lync an die Telefonanlage. Jetzt sieht der Benutzer schon vor dem Wählen ob der Anzurufende besetzt ist oder auf Urlaub.
In Sachen Kulturwandel erkennt man den wirtschaftlichen Vorteil vereinfachter und effizienterer Kommunikation. Die ehemaligen Early Adaptors werden zu Business Champions und beweisen die Richtigkeit durch überprüfbar verbesserte Ergebnisse. Es läuft!

Stufe 4: Das Unified Enterprise

Das gesamte Unternehmen standardisiert auf eine einzelne Plattform für Instant Messaging, Presence, Audio, Video und Web Collaboration. Klassische Telefonie findet praktisch nur mehr wie Mobilfunk stark, wobei auch hier die Mehrzahl der Gespräche schon über den UC Client statt über GSM stattfindet.
Die Art und Weise, wie kommuniziert und kollaboriert wird, ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal des Unternehmens im Vergleich zum Mitbewerb. Der Fokus der Unternehmensleitung liegt primär auf der weiteren Verbesserung der Produktivität. Das darf durchaus auch etwas kosten, denn die Richtigkeit der Strategie ist längst bewiesen. Die einzelnen Mitarbeiter fühlen sich stark genug, aktiv Verbesserungen vorzuschlagen und beschleunigen so die Transformation im Unternehmen. Bestands-Systeme werden nach und nach abgelöst oder werden in DIE Plattform eingebunden. Dank SDKs und APIs ist dies auch in vertretbarem Zeit- und Kostenrahmen möglich.

Stufe 5: Die vollkommen transformierte Organisation

Es gibt eine allgegenwärtige UC Plattform, welche auf Mobiltelefonen ebenso läuft wie auf Brainstorming-Screens bei der Kaffeemaschine. Diese unterstützt jedwede Form von Kommunikation: Audio, Video, Whiteboarding, Application Sharing, etc.
Es entstehen sogenannte  CEBP = Communications-Enabled Business Processes, welche herkömmliche manuelle Workflows vollständig ablösen und die Arbeit grundlegend verändern.
Ergebnisse sind signifikant erhöhte Agilität im Inneren des Unternehmens und eine massiv gesteigerte Customer Experience nach außen. Zufriedenere Mitarbeiter sind nur eine der positiven Auswirkungen.

Willkommen im Tantra-Himmel der Unified Communication!

Das Unternehmen ist am Ziel der Transformation angekommen, wird aber weiterhin kontinuierlich nach neuen Entwicklungen Ausschau halten. Aufgrund der gemachten Erfahrungen kann man diese Neuheiten auch besser einschätzen im Vergleich zu jenen Unternehmen, welche noch auf den unteren Stufen primär mit sich selbst und den Tücken der Implementierung beschäftigt sind.
Sicherlich vergessen Unternehmen auf der höchsten Stufe keinesfalls, mit geeignetem Monitoring und Metriken die Effektivität der UC-Werkzeuge zu dokumentieren.

Und wo stehen die Unternehmen aktuell?

Laut Aussage namhafter Consulter, welche natürlich auch viele Kunden befragt haben, scheinen die meisten großen US-Unternehmen so ungefähr zwischen Stufe zwei und drei zu sein. Die übliche Technologie-Latenz von ein paar Jahren und die durchschnittlich kleinere Unternehmensgröße bedenkend, scheinen die allermeisten europäischen Firmen daher eher auf Stufe 1 bis 2 zu finden sein. Wie immer gibt es auch hier eine Normalverteilung nach Carl Friedrich Gauß, d.h. während die allermeisten auf Stufe 1 oder 2 sind, gibt es natürlich auch Euro-Champions ganz oben auf 5 oder 5. Aber natürlich auch solche, bei denen der Prozess noch gar nicht begonnen hat.

Selbstredend kann man davon ausgehen, dass die verbesserte Effektivität und Effizienz der Unternehmen auf den höheren Stufen einen massiven Marktdruck ausübt und somit Mitbewerber zum Handeln zwingt. Dank Themen wie Cloud-based UC as a Service und verbesserter Usability der Produkte spricht zumindest aus technischer Sicht nichts gegen diese Entwicklung.

Der geschätzte Leser wird an dieser Stelle aber schon längst erkannt haben, dass diese Reise ins Land des UC-Tantras nicht primär eine Sache der Technologie ist. Ich erlaube mir, nochmals an den Beginn des Artikels zu verweisen: Das allergrößte Hindernis wird in der „Firmen-Politik“ gesehen! Hier sind ganz klar die CIOs und CEOs gefordert.

Epilog

Die Inspiration zu diesem Artikel
Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra
und dessen Grundgerüst lieferte ein Webinar der von mir hochgeschätzten US-Consulting-Firma  Wainhouse Research, welches von Tata Communication gesponsert wurde.

Wie immer freue ich mich auf Ihre Kommentare und Feedbacks in den sozialen Netzen.

Warum eigentlich Medientechnik Consulting?

Die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting? wird mir immer wieder gestellt und wie jede gute Frage verdient sie sich eine gute Antwort. Ich versuche in diesem Blogpost daher ein paar hoffentlich sogar sehr gute Antworten zu liefern.

Begriffsdefinition

Anstatt bei Wikipedia wurde ich diesmal im Gabler Wirtschaftslexikon fündig:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/consulting.html

Consulting ist die individuelle Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen durch Interaktion zwischen externen, unabhängigen Personen oder Beratungsorganisationen und einem um Rat nachsuchenden Klienten.

Nach dieser brillanten aber sehr allgemein gehaltenen Version versuche ich mich an einer recht konkreten Umformulierung für unsere kleine Branche:

Während sich Technische Planungsbüros auf das WIE konzentrieren, beschäftigt sich der Consulter im Auftrag des Kunden mit dem WAS und WARUM.

Wozu brauche ich also einen Consulter?

„Warum eigentlich Medientechnik Consulting?“ weiterlesen

10 Fragen des Raummanagements – Teil 8 – Wer und was muss noch von der Buchung wissen?

Herzlich willkommen zum nun Teil 8 in der Blog-Serie 10 Fragen des Raummanagements.
Heute beleuchte ich die Fragen 8 und 9 unserer ursprünglichen Frageliste:
Frage 8: Was sollte mein Gebäude über die Buchung wissen?

Frage 9: Wer sollte bzw. muss noch von der Buchung wissen?

Was sollte mein Gebäude über Raumbuchungen wissen?

Auf den allerersten Blick scheint diese Frage in der Tat ein wenig seltsam. Unter einem Gebäude stellen sich die allermeisten Menschen etwas (im wortwörtlichen Sinne!) sehr Statisches vor. Doch der Schein trügt, denn moderne Gebäude und die damit verbundenen Services müssen heutzutage äußerst flexibel und reaktionsfreudig sein, um die zugesagten Leistungen mit dem vorhandenen Budget bereitstellen zu können. Fällt dies zu leicht, so vermutet das Management mit Recht Optimierungsbedarf, einer Umschreibung für Einsparungsbedarf.

„10 Fragen des Raummanagements – Teil 8 – Wer und was muss noch von der Buchung wissen?“ weiterlesen

Wachstumsmarkt Industrial Analytics

Der Begriff Industrial Analytics ist in aller Munde. Nicht nur in den diversen Fachzeitschriften und Portalen, nein, sogar bis ins doch recht allgemein gehaltene FORBES Magazine hat er es geschafft.

Einen sehr guten Überblick liefert die kürzlich vorgestellte Studie

„Industrial Analytics 2016/2017″

des Arbeitskreises Industrial Analytics beim Branchenverband Digital Analytics Association e.V.

„Wachstumsmarkt Industrial Analytics“ weiterlesen

Konferenz- und Meetingräume Zahlen, Daten, Fakten

Immer wieder werde ich gefragt, ob es über die von mir behandelten Themen Meetingräume, Konferenztechnik & Co auch belastbare Zahlen gibt. Also solche, die nicht dem Marketing-Wunschdenken mancher Hersteller entspringen, sondern überprüfbar von anerkannten Instituten stammen.

Nachfolgend ein paar ZDF (Zahlen, Daten, Fakten)

Mehr Räume, weniger Platz

Der Platz im Büro pro Mitarbeiter sinkt konstant! Dies ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass immer mehr Leute in kleinen, engen Cubicles sitzen müssen! Vielmehr tragen Shard Spaces, also nicht-territoriale, gemeinsam genutze Arbeitsflächen anstatt eines fix zugewiesenen aber immer seltener benutzten Schreibtisch, dazu bei. Eine immer größere Anzahl an Mitarbeitern benötigt überhaupt keinen klassischen Schreibtisch mehr, weil diese entweder unterwegs, zu Hause oder im Office in Meetingräumen arbeiten. Motto: Am Schreibtisch sitzen kann ich zuhause auch, dafür muss ich nicht ins Büro fahren. „Konferenz- und Meetingräume Zahlen, Daten, Fakten“ weiterlesen

10 Fragen des Raummanagements – Teil 7 – Wie viele Personen nutzen was tatsächlich

Hier nun Teil 7 in der Blog-Serie 10 Fragen des Raummanagements.
Die Fragen 6 und 7 unserer ursprünglichen Frageliste lauten
Frage 6: Wie viele Leute sitzen im Raum?
Frage 7: Was wird tatsächlich genutzt?

Warum wollen wir das überhaupt wissen?

Während andere Themen innerhalb dieser Blogserie durchaus ein wenig anspruchsvoll sind, so fällt es sehr leicht, die Relevanz dieser Fragen zu verstehen.

Die Antwort auf die Frage nach der tatsächlichen Anzahl der Personen im Raum ist die allerwichtigste Kenngröße für Architekten und Raumplaner in der Designphase und für das Facility Management in der Betriebsphase. Es ist ziemlich einleuchtend, dass massives Einsparungspotential vorliegt, wenn beispielsweise ein Raum für 12 Personen praktisch immer nur mit 6 Personen besetzt ist! Hier ist kein Umkehrschluss möglich, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein Raum mit nur 4 Plätzen regelmäßig von 8 oder mehr Personen genutzt wird. „10 Fragen des Raummanagements – Teil 7 – Wie viele Personen nutzen was tatsächlich“ weiterlesen

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäude

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäudeautomation

Die Energieeffizienz-Richtlinie, auch bekannt als Energy Efficiency Directive oder abgekürzt EED besagt vereinfacht gesagt, dass bis zum Jahr 2020 zwanzig Prozent der Energie eingespart werden soll. (Link zur Ur-Info auf dem EU-Server, Link zur österreichischen VersionBackground-Info auf Wikpedia.)

Dies gilt natürlich auch für Gebäude und wir alle haben schon von diversen Maßnahmen gehört oder diese sogar selbst angewandt, um das Unsrige dazu beizutragen. Begriffe wie thermische Sanierung sind in aller Munde. Aber warum wird intelligente Gebäudeautomatisierung so selten genannt.

Bei der oben angesprochenen Veranstaltung wurden die Fakten klar aufgezählt:

  • Gemäß der Energieeffizienz-Richtlinie müssen Gebäude Jahr für Jahr je 3% Energie einsparen.
  • 60% des Energieverbrauchs von Gebäuden sind Heizung, Kühlung, Beleuchtung
  • Building Management Systeme, zu deutsch Gebäudeautomatisierungen können bis zu 50% Energieeinsparung bewirken! Der wesentlichste Anteil davon sind bedarfsgeführte Regelungen also der Einsatz von Präsenzmeldern oder die Anbindung an Kalenderplattformen. (persönlicher Hinweis: Beispielsweise in Universitäten oder Fachhochschulen ist die Gebäudenutzung streng an einen Vorlesungsplan gekoppelt; ein Automatisierung dadurch denkbar einfach!)
  • LED-Beleuchtung spart 60-70% Energie im Vergleich zu herkömmlicher Beleuchtung. Ein nicht unwesentlicher Teil davon ist der verminderter Kühlbedarf aufgrund der geringeren Abwärme von LEDs.

In der Tat gibt es schon tausende installierte Gebäudemanagement-Systeme, viele davon aber leider in einem bemitleidenswerten Zustand. Nur ein paar Negativ-Highlights:

  • Keinerlei Nacht- oder Wochenend-Absenkung. Hierzu zählt auch das eigentlich gar nicht so große Geheimnis, dass z.B. der Ostermontag zwar ein Montag aber trotzdem ein Feiertag ist und somit eher als Sonntag denn als Montag zu behandeln ist.
  • Keine einheitliche Uhrzeit im Gebäude und/oder fehlende Sommerzeit-Umschaltung. Es bedarf keiner besonders großen Fantasie zu erkennen, dass jedwede Schaltuhr-Funktionen ohne richtige Uhrzeit nur sehr wenig Sinn machen.
  • Isolierte Gewerke, die nicht miteinander kommunizieren. Speziell in der Übergangszeit wird in vielen Gebäuden gleichzeitig geheizt und gekühlt!
  • Präsenzmelder in den Räumen, welche zwar die 50W LED-Beleuchtung abschalten, wenn niemand im Raum ist, die 2 kW Heizung (= 40 facher Energieverbrauch!) läuft aber unverändert weiter!

Die Liste endet an dieser Stelle keinesfalls; es gäbe noch so einige Bonmots zu erzählen.

Was also tun?

Die allseits angesehene GARTNER Group stellte unlängst auf einem ihrer Treffen die These auf, dass bis ins Jahr 2020 IoT-Technologien dafür genutzt werden, Energieeinsparungs-Ziele zu erreichen und Themen wie SMART CITY aktiv treiben werden. 2015 meinte die Gartner Group, dass schon 2016 über 500 Millionen (!) Sensoren in sogenannten Smart Commercial Buildings verbaut werden, was einer jährlichen Steigerung von 39% (!) entspricht. Quelle hier.

Alles schön und gut, aber was hilft es, groß von Smart Building oder gar Smart City zu sprechen, wenn die schon bestehenden Systeme nicht vernünftig aufgesetzt sind, wenn die Daten der Sensoren nicht analysiert werden und daraus intelligente Schlüsse gezogen werden?

Irgendwie klaffen hier Wunschdenken, Theorie und Praxis weit auseinander. Meiner Meinung nach scheitern viele Projekte nicht an der Hardware sondern vielmehr daran, dass man sich nicht im Vorfeld genau überlegt, was mit der Hardware eigentlich gemacht werden soll. Ist es nicht an der Zeit hier die nötigen Ressourcen und Budgets auch für die „Brainware“ also für die durchaus vorhandenen Spezialisten bereit zu stellen?

Wie sehen Sie das? Ich freue mich auf Ihre Reaktionen.

10 Fragen des Raummanagements – Teil 6 – Vom richtigen Raum

Nach leider längerer Inaktivität kommen wir heute zum Teil 6 in der Blog-Serie 10 Fragen des Raummanagements.
Frage 5 unserer ursprünglichen Frageliste lautet:10 Fragen des Raummanagements – Frage 5: Wird der richtige Raum gebucht?

Untertitel: Fahren Sie auch zu dritt mit dem Autobus?

Welcher ist der richtige Raum?

Zur Beantwortung dieser scheinbar so trivialen Frage hilft es, sich die Stakeholder und deren jeweiligen Interessen vor Augen zu führen: „10 Fragen des Raummanagements – Teil 6 – Vom richtigen Raum“ weiterlesen

Diesmal wirklich intelligente Gebäude

Es war nur mehr eine Frage der Zeit, bis sich die ganz Großen das Thema intelligente Gebäude vornahmen. Nun geht es Schlag auf Schlag; Google, IBM. Samsung und all die anderen Multis tauchen unter dem Mäntelchen IoT (Internet of Things) plötzlich auf wie versteckt agierende U-Boote.

„Diesmal wirklich intelligente Gebäude“ weiterlesen

LCD Display oder Projektor

Aufgrund weiterhin stark sinkender Preise bei LFD (Large Format Displays) stellt sich die Frage immer öfter: LCD Display oder Projektor?

Wie Sie wissen, hat sich dieser Blog zur Aufgabe gestellt, ZDF zu liefern; also Zahlen, Daten, Fakten. Und da kommt es gerade recht, dass jemand die ewige Frage Display oder Projektor nun endlich einmal vernünftig untersucht hat.

LCD Display oder Projektor

Radius Global Market Research befragte also 106 Schüler und Studenten im Alter von 12 bis 22, wie gut den die Inhalte auf dem 70″-Display in einem typischen Klassenzimmer (10 x 10 Meter) zu lesen seien. 70″ sind immerhin stattliche 177cm Diagonale und die allermeisten Brancheninsider würden diese Größe als „schönes, großes Display“ bezeichnen. Natürlich gibt es noch größere Displays mit 80, 90 oder gar 103″ aber diese sind im Vergleich zu 70″ signifikant teurer und deshalb viel weniger verbreitet.

Wie sind nun die Ergebnisse? In einem Wort: Alarmierend!

58% der Studenten gaben an, den Content nicht lesen zu können!
Sie haben „Schwierigkeiten zu lesen oder „große Schwierigkeiten zu lesen“!

Dies ist eine erschreckende Zahl, denn wie sollen sich Menschen den Content einprägen und verarbeiten können, wenn schon die Aufnahme nur mit Mühe oder gar nicht funktioniert?

Die Mehrheit der Studenten hatte Schwierigkeiten den Content auf einem 70″ Display in einem typischen Klassenzimmer zu lesen.

Shira Horn, vice president, Radius Global Market Research.

Selbstverständlich hat auch die Ausgestaltung des Contents, also Schriftgröße, Farben, etc. einen wesentlichen Einfluss auf die Lesbarkeit. Ein Fakt bleibt jedoch, dass 70″ für eine Betrachtung aus vielen Metern Entfernung einfach zu klein sind!

Die Frage nach der Verantwortung muss leider gestellt werden. Welcher Planer hat den Endkunden hier beraten? Sind sich die handelnden Personen bewusst, dass hier eventuell Schadenersatzansprüche drohen?

Offizielle Hilfe naht

Neben vielen Pi-Mal-Daumen-Regeln (siehe unten), die leider trotzdem viel zu oft ignoriert werden, hat sich die Infocomm als unsere globale Branchenvereinigung vor einiger Zeit die Aufgabe gemacht, solche Aufgabenstellungen grundlegend zu analysieren und entsprechende Dokumente zu publizieren. Einige davon haben es sogar schon zum Status einer ANSI-Norm gebracht. Von dort ist der Weg zu einer weltweit gültigen ISO-Norm nicht mehr weit. Den aktuellen Stand der Arbeit zum Thema „Display Size for 2D Content“ gibt es hier zum öffentlichen Download.

Hausverstand praktisch angewandt

Wenn Sie sich aber nicht durch Normen wühlen wollen sondern einfach ein paar leicht zu merkende Schätzungen suchen, dann habe ich etwas für Sie:

Die 4/6/8 Regel ist veraltet

Diese speziell in den USA gängige Faustregel definiert die minimale Bildgröße für den LFV (Least Favored Viewer), also für den schlechtesten Platz im Raum wie folgt:

  • Passives Zusehen wie z.B. Film schauen:
    Max. LFV-Entfernung bei der 8-fachen Bildhöhe
  • Aktives Aufnehmen wie z.B. Lesen:
    Max. LFV-Entfernung bei der 6-fachen Bildhöhe
  • Untersuchen wie z.B. CAD-Pläne:
    Max. LFV-Entfernung bei der 4-fachen Bildhöhe

Während uns diese Regel über viele Jahre gute Dienste geleistet hat, muss ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie eigentlich veraltet ist. Die technische Entwicklung hat uns HD und 4K gebracht und die damit einhergehende massive Zunahme an Auflösung bedingt heutzutage viel größere Screens.
Vergessen wir nicht, dass bei der nun allseits als Standard anerkannten WUXGA Auflösung von 1920*1200 in beiden Dimensionen nahezu DOPPELT so viele Pixel zur Verfügung stehen im Vergleich zum lange aktuellen Standard von 1280*720. Daraus folgt, dass die maximalen Entfernungen der 4/6/8-Regel richtigerweise HALBIERT werden müssen.

Dies ist keine leere Floskel, sind doch auch am typischen Arbeitsplatz die Monitore mit steigender Auflösung auch immer größer geworden. Der aktuelle Standard sind 24″-Monitore und FullHD-Auflösung also 1920*1080 bzw. 1920*1200. Diese Monitore haben ca. 32cm Bildhöhe und der Betrachtungsabstand am typischen Schreibtisch ist meist weniger als 1m. Dies ergibt einen Faktor 3, also perfekt innerhalb der goldenen Mitte von 4/6/8 nach Halbierung aufgrund des „technischen Fortschrittes“.
Die Frage LCD Display oder Projektor lässt sich natürlich nie pauschal beurteilen, aber in den allermeisten Fällen gilt folglich:Wird der Betrachtungsabstand größer als 4-5m, was meist in Räumen mit mehr als 6-8 Sitzplätzen der Fall ist, so wird es äußerst schwierig (und auch sehr kostspielig!) mit einem LCD Display ein optimales Bild für die Teilnehmer zu erzeugen.Habe ich überhaupt so viel Platz?Nicht Thema dieses Blogposts aber den Architekten dieser Welt ins Stammbuch geschrieben sei die praktische Auswirkung dieser Regel:Bei 10 Meter LFV-Entfernung und einem Faktor 4 benötigen wir also eine Bildhöhe von min. 2,5m. Wenn man jetzt die Bildunterkante auf eine Höhe von 1,2m setzt, schließlich sollen ja nicht die Schultern des Vordermanns im Blickfeld sein, dann ergibt sich daraus eine Bildoberkante und somit Raumhöhe von wieviel? Ist ja wirklich nicht sooo schwer, oder?
Daher:
Hoch verehrte Architekten,
Warum glaubt ihr immer noch, dass Veranstaltungsräume nur 2,7 – 3,0m Raumhöhe haben sollten??
Aber das ist eine andere Geschichte….Wie immer freue ich mich auf Interaktionen jedweder Art.