Einen Schutzhelm für den CIO

Eigentlich ist die Geschichte eine alte. Die Baustelle ist so gut wie fertig und die Benutzer sollen das Gebäude übernehmen. Dies ist auch die Zeit, wo ein CIO oftmals zum ersten Mal erfährt, wofür er/sie denn künftig noch so zuständig sein soll. Denn eines ist sicher: Moderne Gebäude bestehen schon lange nicht mehr nur aus Betaon und Stahl .

Doch wo war der CIO während der gesamten Planungs- und Bauphase? Daher mein heutiges Motto:

Einen Schutzhelm für den CIO!

Oder ein wenig weniger plakativ: CIOs oder ihm unterstellte Personen MÜSSEN meiner Meinung nach in den Design- und Realisierungsprozess eingebunden werden.

Moderne Gebäude, nicht nur aber ganz speziell auch solche für Bildungseinrichtungen wie FHs und Unis, haben vielleicht einen Körper aus Stahl und Beton. Die Augen, Ohren und das Nervensystem sind aber Technologien wie IP-Netzwerke, angreifbare IOT-Geräte mit regelmäßigen Firmware-Updates und schützenswerte Remote-Schnittstellen.
Um ganz ehrlich zu sein: Dieser Vergleich mit dem menschlichen Körper ist nicht mir eingefallen. Er stammt von Mark Valenti, dem CEO der Sextant Group, einem höchst renommierten Planungsbüro in den USA. Und dass das Problem in den kommenden Jahren nicht kleiner, sondern massiv größer wird, werden Sie mir als treuer Leser dieses Blogs hoffentlich glauben.

Nachfolgend fünf Strategien zur Einbindung von CIOs und anderen Technologie-Verantwortlichen in Bauprojekte:

  1. IT von Anfang an in den Designprozess einplanen

Dies bedeutet nicht nur, dass die IT rechtzeitig Platzbedarf und Wünsche betreffend Verkabelung äußerst, sondern die aktive Mitarbeit beim Design und der Planung aller technologie-relevanten Gewerke.

Das allerbeste Schließsystem mit Chipkarten und Iris-Identifikation nützt nichts, wenn es dem grundlegenden Identity-Management des Unternehmens widerspricht.  Das hochvernetzte und an die Cloud angebundene Energiemanagement muss natürlich der Security-Policy entsprechen und über die zentrale Firewall laufen. Hier ist Know-How sowohl in Sachen Technologie als auch intime Kenntnis der Organisation nötig.

Die Technologie-Abteilung, oder wie auch immer sie heißen möge, ist schon lange aus der ragierenden Rolle, nämlich dem Lösen von akuten IT-Problemen heraus. Moderne CIOs sind Partner in praktisch jedem Prozess innerhalb der Organisation und gestalten aktiv mit.

  1. Eine neue Rolle für die IT

Über die neue Rolle der IT und somit des CIO wurde in diesem Blog schon mehrmals berichtet (Artikel für CIOs). Je öfter das Wort IoT fällt umso mehr muss klar sein:

Wo immer Technologie, da auch der CIO und seine Teams!

Der Aufbau der nötigen Ressourcen bzw. Integration der ehemals externen Fachabteilungen unter das Dach der IT ist meiner Meinung nach eine der primären Aufgaben heutiger CIOs.

  1. Technologie für jeden Raum anpassen

Je flexibler moderne Räume sein müssen, ganz gleich ob Open Space Offices oder die Uni-Aula, umso flexibler muss auch die dort eingesetzte Technologie sein. Aber wie einfach oder kompliziert ist es denn in der Realität, beispielsweise Leuchten zu anderen Gruppen zusammenzufassen, um einer geänderten Möblierung Rechnung zu tragen? Wie abgesichert müssen Netzwerkanschlüsse ausgeführt sein, welche in der allgemein zugänglichen Aula für das Digital Signage zuständig sind?
Auch wenn die konkrete Arbeit vielleicht von Outsourcing-Partnern gemacht wird, so muss zumindest grundlegendes Know-How und Kenntnis der Technologie inhouse verfügbar sein.

  1. IT als Teil eines integrierten Planungsprozesses

Heute werden in vielen Fällen Mockup-Rooms gemacht, um gemeinsam mit Testusern Einrichtung, Beleuchtung und Design zu validieren und Probleme aufzuzeigen, bevor ein Fehler in hunderte Räume eingebaut wird. Viel zu oft sind dies aber nur optische Experimente und die ebenso wichtige Technologie wird andernorts gesondert erprobt. Diese Vorgangsweise ist in Zeiten der engen Verzahnung der Technologiegewerke aber selten zielführend. Daher an dieser Stelle gleich nochmals der Aufruf: Einen Schutzhelm für den CIO und ab auf die Baustelle mit ihm/ihr. Der Architekt läuft ja auch auf der Baustelle herum und begnügt sich nicht mit der Rolle am Zeichentisch, oder?

  1. Zukunftssicher planen

Die antizipierte Lebensdauer der einzelnen Gewerke variiert stark. Während der Baumeister durchaus in Dekaden denkt, weiß der IT-Techniker, dass schon in 5-7 Jahren keine Security-Updates für gewisse Produkte verfügbar sein werden. Obwohl der Vergleich hinkt und die Wortwahl ein wenig gewagt ist:

Die Technik vermodert langsam aber stetig!

Zukunftssicher zu planen bedeutet also nicht, nur auf Technologien zu setzen, die es voraussichtlich in 30 Jahren auch noch geben wird Das wäre vollkommen illusorisch, denn NIEMAND kann seriös eine solche Technologie-Prognose abgeben. Selbst wenn die Technologie noch verfügbar wäre, ist sie nach den dann geltenden Maßstäben hoffnungslos veraltet.
Stattdessen muss man sich der „Vergänglichkeit“ von Technologien bewusst sein. Also im wahrsten Sinne des Wortes damit rechnen, dass viele Komponenten und Technologien im Laufe der Lebensdauer eines Gebäudes teilweise mehrfach gegen andere getauscht werden. Ob diese Technologie-Upgrades nun CapEX oder OpEX sind, darüber lässt sich trefflich streiten.

Zusammenfassung

Vielleicht muss man meinen Aufruf „einen Schutzhelm für den CIO“ nicht ganz wörtlich nehmen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Expertise des CIOs und seiner Mannschaft unverzichtbar für moderne Gebäude ist. Und dies ist ein sehr guter Grund, den CIO schon möglichst frühzeitig zu einem Bauprojekt einzubinden.

Nicht nur aber ganz besonders in Sachen IOT-Security. Auch wenn mich jetzt der eine oder andere dafür kritisieren wird, erlaube ich mir folgende provokante Aussage:

Die überwiegende Mehrzahl der in der Gebäudetechnik Tätigen hat kein ausreichendes Wissen über die Gefahren, die die Vernetzung innerhalb eines Gebäudes mit sich bringt.

Nahezu jede Woche berichten Fachmedien über schwerwiegende Sicherheitsmängel in IoT-Geräten. Immer wieder wird auf das Gleiche hingewiesen: Das Verschulden trifft ganz sicher nicht nur die Hersteller, sondern ins besonders auch die Errichter und Betreiber von solchen Netzwerken.

In diesem Sinne ein Aufruf an alle CIOs: Besorgt Euch einen Schutzhelm und dringt einmal vor in das unbekannte Land der Baustellen und Baucontainer. Euer Know How ist dort wirklich gefragt!

Wie immer freue ich mich auf Kommentare und die Weiterverbreitung dieses Artikels.

Kommunikation 4.0 im Unternehmen

Wer diesen Blog regelmäßig liest oder mich persönlich kennt, der weiß schon, dass ich immer auf der Ausschau nach „Waffenbrüdern“ bin, also Kollegen mit ähnlichen Zielen und Ansichten. Heute möchte ich eine der wohl interessantesten Keynotes zum Thema Kommunikation 4.0 im Unternehmen in Deutscher Sprache verlinken.

Nachfolgend ein ca. 40 Minuten langes Video einer Keynote, welche anlässlich der AV Solution Partner Roadshow gehalten wure. Sie erinnern sich vielleicht, dass auch ich schon eine Keynote für eine Roadshow dieser Vereinigung halten durfte (Link und Link).

Und nun ohne viel Verzögerung; lauschen Sie diesem wirklich interessanten Vortrag von Detlef Artlet, dem CEO von aixwox, einem Consultingunternehmen aus Deutschland.

YouTube-Video zum Thema Kommunikation 4.0

Persönliches Fazit

Abgesehen von den gut ausgewählten Videos faszinierte mich, mit welcher Geschwindigkeit sich die Technik und damit die Anforderungen weiterentwickeln. Wenn der Vortragende vom ISDN-Bildtelefon und der Pre-Smartphone-Zeit sprach, so klang das wie aus dem Geschichte-Unterricht, obwohl es doch gerade einmal ca. 10 Jahre her ist. Und wer jetzt meint, dass 10 Jahre ja ohnehin eine Ewigkeit sind, dann erlaube ich mir, daran zu erinnern, dass eine solche Zeitspanne kürzer als die durchschnittliche Lebensdauer der Büroeinrichtung ist! In anderen Worten: Es ist wahrscheinlich nicht das Beharrungsmoment der Menschen, die Innovation erschwert, sondern vielmehr die Trägheit seiner Immobilie bzw. deren Einrichtung. Dies nur so als Gedankenanstoß für die Verantwortlichen des Facility Managements.

Wenn auch Sie dieses Video inspiriert hat, über die Kommunikation im allgemeinen und die Medientechnik im Speziellen nachzudenken, so stehe ich gerne als Ihr Gesprächspartner zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme und wünsche noch einen wunderschönen Sommer.

Sieben gute Gründe für IoT

Heute präsentiere ich Ihnen sieben gute Gründe für IOT, also ein paar Gedanken zum Thema, warum das Internet der Dinge (IoT = Internet of Things) vielleicht nicht bloß ein Hype ist, sondern Business-Realität.
Oder anders gesagt:
Warum Hersteller eigentlich gar keine andere Wahl haben, als sich eine klare Strategie rund um IoT zurechtzulegen.

Wie immer kommt die Motivation aus einer Kombination aus WOLLEN und MÜSSEN, oder weniger drastisch formuliert aus aktiven und passiven Motivationsfaktoren! 😉 „Sieben gute Gründe für IoT“ weiterlesen

Wachstumsmarkt Industrial Analytics

Der Begriff Industrial Analytics ist in aller Munde. Nicht nur in den diversen Fachzeitschriften und Portalen, nein, sogar bis ins doch recht allgemein gehaltene FORBES Magazine hat er es geschafft.

Einen sehr guten Überblick liefert die kürzlich vorgestellte Studie

„Industrial Analytics 2016/2017″

des Arbeitskreises Industrial Analytics beim Branchenverband Digital Analytics Association e.V.

„Wachstumsmarkt Industrial Analytics“ weiterlesen

The Future of Smart Building & Smart Building Security

Es ist mir eine große Freude anzukündigen, dass ich auf der kommenden Smart Building Conference in Amsterdam einer der Hosts einer Podiumsdiskussion sein werde mit dem Titel

INDUSTRY PANEL:
The Future of Smart Building & Smart Building Security

Inhalt:

Wie der Titel vermuten lässt, werden wir uns besonders mit der Sicherheit und auch mit deren Mangel in Smart Buildings beschäftigen. Nicht immer ist die Technik schuld daran, vielmehr „menschelt“ es bei vielen Projekten einfach ein wenig zu viel. Oder liegt es am Kunden, der (noch?) nicht genug Bedenken hat. Wir werden versuchen, diese und andere Fragen zu erörtern; für Spannung ist gesorgt.

Teilnehmer:

Mit mir gemeinsam sind zum jetzigen Zeitpunkt folgende Personen am Podium:

Eliot Lear, Senior Internet Engineer and Policy Expert bei CISCO Schweiz

Sein Profil lässt keinen Zweifel daran, dass es sich hier um einen Experten allerhöchster Güte in Sachen Cybersecurity handelt, der federführend bei der Entwicklung von Internetstandards sowie Industriestandards von Cisco ist.

Matthew Marson, Management Consultant von Accenture UK

Als Consultant des Connected Spaces Programms von Accenture, einem der weltgrößten Beratungsunternehmens, ist er ausgewiesener Spezialist in Sachen Smart Buildings. Dass Matthew dabei nicht nur theoretisiert sondern ein Mann der Praxis ist, beweist seine Ausbildung als Architekt und Ingenieur.

Ich freue mich natürlich, mit solchen Spezialisten des Thema „Future of Smart Building & Security“ diskutieren zu können.

Programm
Die Smart Building Conference findet am Vortag des ersten Messetags der ISE statt. Wenn Sie also vielleicht schon einen Tag früher in Amsterdam sind, dann wäre es doch eine tolle Gelegenheit, diesen oder andere Vorträge zu besuchen.

Das vollständige Programm dieses Events können Sie hier finden.

The Future of Smart Building & Smart Building Security at RAI, Amsterdam

This panel will discuss the advancements and innovations that we can look forward to. Also, all the futuristic tech advancements and innovations that make smart buildings possible share a common Achilles heel. Their security model is still stuck in the past. Our panel will discuss the problem—and possible solutions.
Categories: Smart Building, IoT

 

Zigbee Dotdot

Auch wenn es nicht unbedingt auf allen IoT-Geräten draufsteht, ist Zigbee doch eine DER Technologien des IoT. Nun stellt die Alliance Zigbee Dotdot als verbindendes Element vor.

Die baldige Zukunft wird zeigen, ob es sich wirklich um einen Meta-Standard handeln wird, also um einen, der viele unterschiedliche Protokolle unter einen Hut bringen kann oder um (wieder einmal) nur einen neuen, zusätzlichen Standard.

Viel gibt es derzeit noch nicht zu berichten, außer dass DotDot einen wirklich coolen Namen und ein cooles Logo hat. Und ja, irgendwas ist es mit der Thread Group verbandelt. Die hält sich aber interessanterweise ziemlich zurück. Das ist zumindest auffällig, denn diese Gruppe rund um Google Nest ist normalerweise gar nicht verlegen, ganz früh mit Halbgarem an die Öffentlichkeit zu gehen.

Zu den technischen Details ist auch noch nicht viel bekannt. HEISE Online berichtet, dass Zigbee Dotdot eher alter Wein in neuen Schläuchen ist. Ich darf HEISE zitieren:

Dotdot ist nicht unbedingt neu, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung der ZigBee Cluster Library (ZCL). Sie beschreibt die Kommunikation zwischen einzelnen Geräten und wurde nun um neue Spezifikationen und ein Zertifizierungsprogramm erweitert.
(c) Heise Online

Das wäre in der Tat ziemlich alter Wein, datiert die ZCL doch zurück auf Juli 2007! Die letzte Revision des Standards ist von 2012 schon ziemlich lange bevor IoT überhaupt zum Begriff wurde.

Man wird sehen. Bis dahin ein nettes Video:

P.S.
Bitte um zweckdienliche Hinweise, warum mein Toaster mit meiner Espresssomaschine reden muss, danke!

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäude

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäudeautomation

Die Energieeffizienz-Richtlinie, auch bekannt als Energy Efficiency Directive oder abgekürzt EED besagt vereinfacht gesagt, dass bis zum Jahr 2020 zwanzig Prozent der Energie eingespart werden soll. (Link zur Ur-Info auf dem EU-Server, Link zur österreichischen VersionBackground-Info auf Wikpedia.)

Dies gilt natürlich auch für Gebäude und wir alle haben schon von diversen Maßnahmen gehört oder diese sogar selbst angewandt, um das Unsrige dazu beizutragen. Begriffe wie thermische Sanierung sind in aller Munde. Aber warum wird intelligente Gebäudeautomatisierung so selten genannt.

Bei der oben angesprochenen Veranstaltung wurden die Fakten klar aufgezählt:

  • Gemäß der Energieeffizienz-Richtlinie müssen Gebäude Jahr für Jahr je 3% Energie einsparen.
  • 60% des Energieverbrauchs von Gebäuden sind Heizung, Kühlung, Beleuchtung
  • Building Management Systeme, zu deutsch Gebäudeautomatisierungen können bis zu 50% Energieeinsparung bewirken! Der wesentlichste Anteil davon sind bedarfsgeführte Regelungen also der Einsatz von Präsenzmeldern oder die Anbindung an Kalenderplattformen. (persönlicher Hinweis: Beispielsweise in Universitäten oder Fachhochschulen ist die Gebäudenutzung streng an einen Vorlesungsplan gekoppelt; ein Automatisierung dadurch denkbar einfach!)
  • LED-Beleuchtung spart 60-70% Energie im Vergleich zu herkömmlicher Beleuchtung. Ein nicht unwesentlicher Teil davon ist der verminderter Kühlbedarf aufgrund der geringeren Abwärme von LEDs.

In der Tat gibt es schon tausende installierte Gebäudemanagement-Systeme, viele davon aber leider in einem bemitleidenswerten Zustand. Nur ein paar Negativ-Highlights:

  • Keinerlei Nacht- oder Wochenend-Absenkung. Hierzu zählt auch das eigentlich gar nicht so große Geheimnis, dass z.B. der Ostermontag zwar ein Montag aber trotzdem ein Feiertag ist und somit eher als Sonntag denn als Montag zu behandeln ist.
  • Keine einheitliche Uhrzeit im Gebäude und/oder fehlende Sommerzeit-Umschaltung. Es bedarf keiner besonders großen Fantasie zu erkennen, dass jedwede Schaltuhr-Funktionen ohne richtige Uhrzeit nur sehr wenig Sinn machen.
  • Isolierte Gewerke, die nicht miteinander kommunizieren. Speziell in der Übergangszeit wird in vielen Gebäuden gleichzeitig geheizt und gekühlt!
  • Präsenzmelder in den Räumen, welche zwar die 50W LED-Beleuchtung abschalten, wenn niemand im Raum ist, die 2 kW Heizung (= 40 facher Energieverbrauch!) läuft aber unverändert weiter!

Die Liste endet an dieser Stelle keinesfalls; es gäbe noch so einige Bonmots zu erzählen.

Was also tun?

Die allseits angesehene GARTNER Group stellte unlängst auf einem ihrer Treffen die These auf, dass bis ins Jahr 2020 IoT-Technologien dafür genutzt werden, Energieeinsparungs-Ziele zu erreichen und Themen wie SMART CITY aktiv treiben werden. 2015 meinte die Gartner Group, dass schon 2016 über 500 Millionen (!) Sensoren in sogenannten Smart Commercial Buildings verbaut werden, was einer jährlichen Steigerung von 39% (!) entspricht. Quelle hier.

Alles schön und gut, aber was hilft es, groß von Smart Building oder gar Smart City zu sprechen, wenn die schon bestehenden Systeme nicht vernünftig aufgesetzt sind, wenn die Daten der Sensoren nicht analysiert werden und daraus intelligente Schlüsse gezogen werden?

Irgendwie klaffen hier Wunschdenken, Theorie und Praxis weit auseinander. Meiner Meinung nach scheitern viele Projekte nicht an der Hardware sondern vielmehr daran, dass man sich nicht im Vorfeld genau überlegt, was mit der Hardware eigentlich gemacht werden soll. Ist es nicht an der Zeit hier die nötigen Ressourcen und Budgets auch für die „Brainware“ also für die durchaus vorhandenen Spezialisten bereit zu stellen?

Wie sehen Sie das? Ich freue mich auf Ihre Reaktionen.

Bericht vom Forum IOT 2016 in Wien

Hier ist er nun, mein Bericht zum Forum IOT 2016, welcher am 9.November 2016 im Wiener Museumsquartier stattfand. Ich lade Sie ein, zum Einstieg ins Thema meinen Vorab-Post zu lesen.

Ein wenig im Stile einer Executive Summary starte ich mit meinem persönlichen Fazit, welches da lautet:

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass dieser Event wahrscheinlich das Beste war, was in Sachen IoT jemals in Österreich passierte.

Aber lassen Sie mich ein wenig präzisieren:

Organisation

Der Veranstalter Seidler Consulting hat es geschafft, die vorhandene Fläche optimal zu nutzen und für die unterschiedlichen Bereiche Ausstellung, Forum/Keynote sowie Workshops die jeweils bestgeeigneten Räume vorzusehen. Die Akkreditierung war im Nu erledigt und schon war man umgeben von vielen Gleichgesinnten. Dass die Parkgarage im Museumsquartier eine der günstigsten in ganz Wien ist, sei hier nur nebenbei erwähnt.

Programm

Das Forum IOT 2016 trug den Untertitel „ready for digital transformation“ und anders als der Name vermuten lassen würde, enthielt das Programm nicht nur Allgemeines und Politisches. Ganz im Gegenteil, die Agenda spannte einen weiten Bogen von der Politik & Unternehmensumfeld über Anwendungen, Chancen und Risken bis hin zu technischen Hands-On-Workshops, bei denen IoT in Action gezeigt wurde. Natürlich wurde auch IoT-Security thematisiert und ganz ohne Effekthascherei als eine der zentralen Herausforderungen bezeichnet.

Persönliche Highlights

Ohne besondere Reihenfolge eine kleine Auflistung meiner Highlights des diesjährigen Forum IOT 2016:

Digitalroadmap.at von Christian Rupp

Mit unerwartet viel Charme und Power startete der Tag und ließ zumindest für kurze Zeit die allgemein grassierende Politikverdrossenheit in Österreich vergessen lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die vorgestellten Programme und Initiativen des offiziellen Österreichs ihren Zweck auch wirklich erfüllen und junge wie etablierten Unternehmen wirklich helfen.

Designing the IoT with Microsoft

Dem Veranstalter ist zu gratulieren, dass ein Kapazunder wie Carl Coken, immerhin globaler Chef aller IoT OEM Agenden von Microsoft (offizieller Titel General Manager, IoT OEM Technical Sales) extra für diesen Event aus den USA angereist ist. Natürlich war es eine „Corporate Presentation“ und man war darauf aus, die IoT-Produkte und Services von Microsoft in bestem Licht zu präsentieren. Aber Microsoft steht hier exemplarisch für alle Großen (Amazon, Google & Co). Ich erlaube mir nochmals auf mein Statement im letzten Blogpost hinzuweisen:

IoT ist in meinen Augen daher eher ein Vehikel für neue Megatrends als ein Megatrend selbst.

Die Powerpoint (what else?) von Carl Coken zeigte eindrucksvoll, welche neuen Geschäftsmodelle sich Microsoft für seine Partner und natürlich für sich selbst in Kombination mit IoT so vorstellt. Wer nach diesem Vortrag noch immer glaubt, das IoT irgendwas mit bastelenden SmartHome Nerds ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Going Digital: General Electric und seine Transformation zum digitalen Industrieunternehmen

Noch ein „Kracher“ in Sachen IoT. Die PREDIX Cloud-Plattform für IoT von GE bietet ein vollständiges Ready-To-Use Ökosystem für Firmen an, welche eben nicht bei Adam und Eva anfangen wollen, sondern möglichst schnell auf den Zug aufspringen wollen bzw. müssen. Hier steht das Cloud Foundry Partnerprogramm zur Verfügung, Details hier.

Als Beispiel wurde die Schindler-Gruppe genannt, allseits bekannt für Aufzüge und Rolltreppen. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit sollen nun über 200.000 Anlagen binnen 6 Monate (!) an die PREDIX-Cloud angeschlossen werden; der Endausbau liegt bei mehr als 1 Mio Anlagen. Die Gründe sind die durchaus bekannten: Neue Geschäftsmodelle wie z.B. Aufzüge werden nicht mehr verkauft, sondern der Kunde zahlt nach beförderten Personen oder auch 50% Einsparungen bei den Servicekosten durch Anlagen, die per IoT rechtzeitig auf Servicebedarf hinweisen.

Natürlich hat General Electric auf seine „Einser-Referenz“ hingewiesen. Es ist sind dies Flugzeugturbinen von Rolls-Royce, welche es dem Hersteller erlauben, Flugzeugturbinen an die Airlines per erfolgreich absolvierter Flugstunde zu vermieten anstatt zu verkaufen. Damit liegt das Risiko zu 100% beim Hersteller anstatt beim „Käufer“.
Hier sei nur nebenbei erwähnt, dass ein solches Geschäftsmodell z.B. bei MINOLTA Kopiergeräten schon 2009 eingeführt wurde. Solange stattet Minolta nämlich schon seine Bürogeräte mit einer SIM-Karte aus, die regelmäßig nach Hause meldet. Bei Rolls-Royce ist es hingegen ein ganzes Satellitennetz!
Bonmot am Rande: Dass Rolls-Royce nun intensiv mit Microsoft zu Gange ist, wurde in der GE-Präsentation natürlich nicht erwähnt! 😉

Oracle IoT Cloud und Opitz Consulting

Ja auch Oracle spielt mit im Reigen der IoT-Anbieter und Oracle spricht aus, was sich die anderen Anbieter nicht so recht zu sagen trauen:
IoT-Services gibt’s bei Oracle ausschließlich und ausnahmslos aus der Cloud!

Als Paradebeispiel wurde wieder einmal der gute alte Getränkeautomat genannt. Gerade als ich dachte, dass jetzt die Email-Meldung von zur Neige gehenden Füllständen als DIE Neuerung präsentiert wird (und ich schon wild entschlossen war, per Zwischenruf „das haben die Zigarettenautomaten schon seit 10 Jahren“ Richtung Podium zu schreien!), kamen doch noch einige sehr überzeugende Anwendungen.
Am besten gefiel mir die Verlagerung des Payments weg vom physischen Automaten hin in eine Webanwendung, welche auf dem Automaten bzw. auf dem Smartphone des Kunden läuft.
Während im ersten Fall die Erweiterung auf neue Payment-Systeme zwingend eine Vorort-Änderung der Software und vielleicht sogar auch der Hardware bedeutet, ist eine Webanwendung zentral gehostet. Alle Automaten können also über Nacht z.B. eine neue Kreditkarte akzeptieren oder plötzlich auch mit PayPal zusammenarbeiten.
Dies ist ein klassischer Vorteil einer cloudbasierten Lösung, welche ich dank Office365 jeden Tag selbst am eigenen Leib spüre.

IT vs. OT

Die burgenländische Firma T & G präsentierte die IoT-Firewall OP-Shield von Wurldtech, nachdem sehr treffend die speziellen Herausforderungen der OT (Operational Technology) im Vergleich zur IT (Information Technology) herausgearbeitet wurde:

  • Bei IT Ausfällen sind Daten betroffen bzw. verloren. Das stellt zweifellos einen Verlust dar, ist aber mit Geld zu bezahlen. OT-Ausfälle haben jedoch durchaus das Potenzial, Menschenleben zu gefährden! Man denke nur ein explodierende Chemie-Werke oder außer Kontrolle geratene Kraftwerke.
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass die allermeisten OT-Netzwerke irgendwie und irgendwo dann doch mit dem Internet verbunden sind. Das Märchen vom komplett abgeschotteten Steuer-Netzwerk ist also meist auch ein solches.
  • Während beispielsweise viele Smartphones (aus welchen Gründen auch immer!) schon nach 2 Jahren ausgetauscht werden und somit Sicherheitslücken auch wieder vom Markt verschwinden, sind Industriegeräte oft 10 Jahre und mehr im Einsatz. Im Gegensatz zu PC und Tablet sind aber automatische Updates, Patchmanagement und regelmäßige Security-Audits in der Steuerungstechnik weitgehend unbekannt.

Der Nutzen von Produkten wie dem OP-Shield liegt nun in der bestmöglichen Isolation der Steuerungstechnik vom Rest der Welt. Deep Packet Inspection, welche die IoT Protokolle wie z.B. MODBUS versteht und somit intelligentes Firewalling erlaubt als Schlüssel zu mehr Sicherheit.
Alles in allem ein sehr interessanter und realistischer Ansatz. Kein Wunder, dass Wurldtech nicht mehr eigenständig ist, sondern von General Electric übernommen wurde!

Pitch-Contest

Sie kennen mich, IoT und Startups sind meine Leidenschaft, wie toll sind dann erst IoT-Startups?!

Folgende Startups durften vor dem Fachpublikum ihre 5 Minuten Pitches präsentieren.

Luke Roberts

Sicher einer der Shooting-Star am österreichischen Startup-Himmel. Die per Smartphone App steuerbare Lampe ist ohne Übertreibung eine völlig neue Gerätegeneration. Dass die Jungs das Produkt komplett ohne externe Finanzierung (abgesehen von Crowdfunding) durchgezogen haben, also noch immer 100% der Company halten, ist unglaublich. Ich ziehe den Hut vor diesem Startup und hoffe, künftig noch mehr darüber berichten zu können. BRAVO!

Sequality Software Engineering

Dieses Startup aus dem Umfeld der FH Hagenberg, einer echten Keimstätte österreichischer High-Tech Firmen, bietet moderne User Interfaces (UI) für Industrie- und Medizingeräte an. In der Tat ist es ja nicht ganz einfach zu verstehen, warum die allermeisten Smartphone Apps nahezu selbsterklärend sind, während viele banale Medizingeräte praktisch unbedienbar sind. Dass UIs für Industriegeräte auch hübsch sein können, wurde anschaulich demonstriert.

Locca

“GPS-Tracking for things” ist der Claim, wobei “things” durchaus auch Hund & Katz sein können. Dank ausgefeilter und äußerst smarter Technik sind Akkulaufzeiten von 7- bis 30 Tagen möglich. Dies ist sehr relevant, denn der Erfolg solche Systeme ist nur dann gegeben, wenn alles einfach ist. Jeden Abend alle möglichen Dinge und Haustiere an einer Ladeschale zu versammeln, würde sicher nicht funktionieren!
Dass Geolocation noch viele andere interessante Anwendungen bietet, hilft diesem Startup sicher, noch die eine oder andere Marktnische zu finden.

Twingz

Ich gebe es zu, Twingz ist mir auch ans Herz gewachsen. Anstatt gegen die Windmühlen der Smartmeter-Lobby zu kämpfen, habt dieses Unternehmen ein modulares Gadget entwickelt, welche selbst 30 Jahre alte Ferraris-Stromzähler optisch auslesen kann. Der echte Clou ist jedoch die Intelligenz der Software, welche anhand der typischen Verbrauchsmuster (Einschaltdauer, Stromverbrauch, etc.) einzelne Geräte im Haushalt erkennen kann und unabhängig tracken! Dieses Feature ist meiner Meinung nach ein echter Game-Changer! Denn anstatt darauf zu warten, dass sowohl Stromzähler als auch Haushaltsgeräte geeignete Schnittstellen anbieten, geht Twingz den umgekehrten Weg und arbeitet mit dem zahlreich vorhandenen Bestand! Sehr, sehr clever!
Da war es nur allzu verständlich, dass der CEO auf die Zwischenfrage aus dem Publikum „und was machen Sie, wenn Miele & Co dann geeignete Sensoren in die Geräte ab Werk einbaut?“ eine äußerst gute Antwort parat hatte. Zitat: „Dann freuen wir uns, dass wir die Verbrauchsdaten endlich geliefert bekommen anstatt sie mühsam selber holen zu müssen. Unsere Wertschöpfung liegt ja in der Interpretation der Daten und nicht in deren Gewinnung!“ Chepaeu! – Herr Werner Weihs-Sedivy, der war brilliant!

SCLABLE

Ich gestehe es ganz ehrlich, ich habe den Unternehmenszweck dieses Startups nicht wirklich kapiert! Ob die smarten Jungs nun eine Dienstleistung anbieten, Softwareentwicklung anbieten oder „nur“ Berater sind, hat sich mir nicht erschlossen. Der Claim „Fail fast & learn fast“ ist ein schon oft gehörtes Startup-Mantra, hat mir aber nicht geholfen zu verstehen, welchen Customer Need dieses Unternehmen lösen will. Aber offensichtlich machen die ihre Sachen gut und richtig, denn mit mehr als 20 Leuten ist es ja schon fast kein Startup mehr.

Zusammenfassung

Schon alleine an der Länge dieses Blogpost können Sie erkennen, dass das Forum IOT 2016 in meinen Augen ein voller Erfolg war. Den Veranstaltern Seidler Consulting ist von ganzem Herzen zu gratulieren!
Irgendwie bezeichnend war, dass der Hashtag #ForumIoT2016 für österreichische Verhältnisse intensiv genutzt wurde.
ich hoffe auf eine Wiederholung im nächsten Jahr und vielleicht kontaktiert mich ja jemand, denn ich hätte da so ein paar Ideen für einen Vortrag zum Thema IoT im Gebäude ….. 😉