Zigbee Dotdot

Auch wenn es nicht unbedingt auf allen IoT-Geräten draufsteht, ist Zigbee doch eine DER Technologien des IoT. Nun stellt die Alliance Zigbee Dotdot als verbindendes Element vor.

Die baldige Zukunft wird zeigen, ob es sich wirklich um einen Meta-Standard handeln wird, also um einen, der viele unterschiedliche Protokolle unter einen Hut bringen kann oder um (wieder einmal) nur einen neuen, zusätzlichen Standard.

Viel gibt es derzeit noch nicht zu berichten, außer dass DotDot einen wirklich coolen Namen und ein cooles Logo hat. Und ja, irgendwas ist es mit der Thread Group verbandelt. Die hält sich aber interessanterweise ziemlich zurück. Das ist zumindest auffällig, denn diese Gruppe rund um Google Nest ist normalerweise gar nicht verlegen, ganz früh mit Halbgarem an die Öffentlichkeit zu gehen.

Zu den technischen Details ist auch noch nicht viel bekannt. HEISE Online berichtet, dass Zigbee Dotdot eher alter Wein in neuen Schläuchen ist. Ich darf HEISE zitieren:

Dotdot ist nicht unbedingt neu, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung der ZigBee Cluster Library (ZCL). Sie beschreibt die Kommunikation zwischen einzelnen Geräten und wurde nun um neue Spezifikationen und ein Zertifizierungsprogramm erweitert.
(c) Heise Online

Das wäre in der Tat ziemlich alter Wein, datiert die ZCL doch zurück auf Juli 2007! Die letzte Revision des Standards ist von 2012 schon ziemlich lange bevor IoT überhaupt zum Begriff wurde.

Man wird sehen. Bis dahin ein nettes Video:

P.S.
Bitte um zweckdienliche Hinweise, warum mein Toaster mit meiner Espresssomaschine reden muss, danke!

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäude

Energieeffizienz-Richtlinie und Gebäudeautomation

Die Energieeffizienz-Richtlinie, auch bekannt als Energy Efficiency Directive oder abgekürzt EED besagt vereinfacht gesagt, dass bis zum Jahr 2020 zwanzig Prozent der Energie eingespart werden soll. (Link zur Ur-Info auf dem EU-Server, Link zur österreichischen VersionBackground-Info auf Wikpedia.)

Dies gilt natürlich auch für Gebäude und wir alle haben schon von diversen Maßnahmen gehört oder diese sogar selbst angewandt, um das Unsrige dazu beizutragen. Begriffe wie thermische Sanierung sind in aller Munde. Aber warum wird intelligente Gebäudeautomatisierung so selten genannt.

Bei der oben angesprochenen Veranstaltung wurden die Fakten klar aufgezählt:

  • Gemäß der Energieeffizienz-Richtlinie müssen Gebäude Jahr für Jahr je 3% Energie einsparen.
  • 60% des Energieverbrauchs von Gebäuden sind Heizung, Kühlung, Beleuchtung
  • Building Management Systeme, zu deutsch Gebäudeautomatisierungen können bis zu 50% Energieeinsparung bewirken! Der wesentlichste Anteil davon sind bedarfsgeführte Regelungen also der Einsatz von Präsenzmeldern oder die Anbindung an Kalenderplattformen. (persönlicher Hinweis: Beispielsweise in Universitäten oder Fachhochschulen ist die Gebäudenutzung streng an einen Vorlesungsplan gekoppelt; ein Automatisierung dadurch denkbar einfach!)
  • LED-Beleuchtung spart 60-70% Energie im Vergleich zu herkömmlicher Beleuchtung. Ein nicht unwesentlicher Teil davon ist der verminderter Kühlbedarf aufgrund der geringeren Abwärme von LEDs.

In der Tat gibt es schon tausende installierte Gebäudemanagement-Systeme, viele davon aber leider in einem bemitleidenswerten Zustand. Nur ein paar Negativ-Highlights:

  • Keinerlei Nacht- oder Wochenend-Absenkung. Hierzu zählt auch das eigentlich gar nicht so große Geheimnis, dass z.B. der Ostermontag zwar ein Montag aber trotzdem ein Feiertag ist und somit eher als Sonntag denn als Montag zu behandeln ist.
  • Keine einheitliche Uhrzeit im Gebäude und/oder fehlende Sommerzeit-Umschaltung. Es bedarf keiner besonders großen Fantasie zu erkennen, dass jedwede Schaltuhr-Funktionen ohne richtige Uhrzeit nur sehr wenig Sinn machen.
  • Isolierte Gewerke, die nicht miteinander kommunizieren. Speziell in der Übergangszeit wird in vielen Gebäuden gleichzeitig geheizt und gekühlt!
  • Präsenzmelder in den Räumen, welche zwar die 50W LED-Beleuchtung abschalten, wenn niemand im Raum ist, die 2 kW Heizung (= 40 facher Energieverbrauch!) läuft aber unverändert weiter!

Die Liste endet an dieser Stelle keinesfalls; es gäbe noch so einige Bonmots zu erzählen.

Was also tun?

Die allseits angesehene GARTNER Group stellte unlängst auf einem ihrer Treffen die These auf, dass bis ins Jahr 2020 IoT-Technologien dafür genutzt werden, Energieeinsparungs-Ziele zu erreichen und Themen wie SMART CITY aktiv treiben werden. 2015 meinte die Gartner Group, dass schon 2016 über 500 Millionen (!) Sensoren in sogenannten Smart Commercial Buildings verbaut werden, was einer jährlichen Steigerung von 39% (!) entspricht. Quelle hier.

Alles schön und gut, aber was hilft es, groß von Smart Building oder gar Smart City zu sprechen, wenn die schon bestehenden Systeme nicht vernünftig aufgesetzt sind, wenn die Daten der Sensoren nicht analysiert werden und daraus intelligente Schlüsse gezogen werden?

Irgendwie klaffen hier Wunschdenken, Theorie und Praxis weit auseinander. Meiner Meinung nach scheitern viele Projekte nicht an der Hardware sondern vielmehr daran, dass man sich nicht im Vorfeld genau überlegt, was mit der Hardware eigentlich gemacht werden soll. Ist es nicht an der Zeit hier die nötigen Ressourcen und Budgets auch für die „Brainware“ also für die durchaus vorhandenen Spezialisten bereit zu stellen?

Wie sehen Sie das? Ich freue mich auf Ihre Reaktionen.

Smart Living – Digital Business Trends

Gestern abends fand im total vollen Wiener Haus der Musik eine höchst interessante Veranstaltung zum Thema Smart Living statt. Veranstalter war dbt digital business trends, eine Kooperation von APA und SD one.
Meine Erwartungen waren recht gedämpft, denn nach gefühlt hundert solcher Events und den ewig gleichen Fragen (ja natürlich wurde wieder über den unsäglichen Internet-Kühlschrank gesprochen!) stumpft man leider ein wenig ab.
Aber weit gefehlt! Die Vortragenden brachten ihre Themen überzeugend und spannend.
Beide Vorträge verdienen eine Erwähnung.

Aktueller Stand der Technik von Veronika David & Benjamin Aigner vom FH Technikum Wien

Kurze Zwischenfrage: Hätten Sie gewußt, dass man an dieser Wiener FH tatsächlich ein Bachelor Studium Smart Home machen kann? Die beiden Vortragenden Veronika David und Benjamin Aigner kamen selbstverständlich aus diesem Bereich und zeigten viele Use Cases auf, besonders im Bereich Assisted Living für Menschen mit Beeinträchtigungen. Vieles des Vortrages war mir auch deshalb bekannt, weil ich kürzlich bei diesem Institut zu Besuch eingeladen war.
Fast erwartungsgemäß kamen immer wieder die gleichen Argumente, warum sich das Smart Home noch nicht auf breiter Front durchgesetzt hat. Es war von zu hohen Kosten die Rede, von mangelnder Sicherheit (da stimme ich jedoch zu 100% zu, mehr darüber in Kürze hier auf diesem Blog!) und von mangelnden Standards. Dass es vielleicht daran liegt, dass es an DER Killerapplikation mangelt oder dass Wohnen selbst nur extrem schwer automatisierbar ist, wird hingegen kaum erwähnt.
Auffallend war auch, dass bestehende kommerzielle Systeme, egal von welchem Hersteller, fast pauschal als ungeeignet dargestellt wurden. Nun ist es ein Vorrecht der Jugend und der Forscher, Bestehendes in Frage zu stellen, aber ich erlaube mir schon die Gegenfrage, ob man wirklich glauben soll, dass ein unter Linux laufender Desktop PC die geeignete Plattform für die Heimautomation ist. Bei vielen dieser Projekte fehlt mir einfach die praktische und kommerzielle Komponente. Vielleicht wäre es an der Zeit nicht das x-te Grundlagen-Forschungsprojekt zu fördern, sondern ein einziges davon bis zur echten Markteinführung zu bringen.

Trotzdem schön anzusehen, dass man sich nun in Österreich auch auf Universitätsniveau mit der Thematik Smart & Assisted Living beschäftigt.

Robotik im Smart Living Umfeld von Markus Vincze, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien

Sorry, wenn ich jetzt ganz ungeniert schreibe: So sehen Nerds aus! Pulli und runde Nickelbrille in einem Meer von Anzugträgern sind schon auffällig! Aber was für eine Überraschung: Prof. Vincze ist ein brillianter Erzähler und vermittelt seine Inhalte mit viel Humor, bleibt dabei aber immer höchst professionell. Man merkt, dass er seit vielen Jahren tief im Thema Robotik ist; dieser Mann weiß, wovon er spricht. Besonders erfreulich war, dass er zum Thema Nest und selbstfahrenden Autos von Google den Amerikanern in erster Linie blendendes Marketing zugesteht, mit Recht aber darauf hinweist, dass ähnliche Ergebnisse, wenn auch mit viel weniger Presse-Tam-Tam, tagtäglich in Europa und sogar bei uns in Österreich passieren. 100% Zustimmung!
In einem seiner Projekte erhielten ältere Personen nach einer nur relativ kurzen Einschulung einen Haushaltsroboter für die Dauer von 3 Wochen. Das durchaus überraschende Ergebnis: Die älteren Damen und Herren hatten deutlich weniger Berührungsängste als befürchtet; den Roboter zu bedienen empfanden alle als viel einfacher als den Umgang mit dem Smartphone oder Tablet!

Hier ein kurzes Video aus diesem Projekt:

Welche Funktionen wünschen sich die Nutzer nun von einem Roboter?
Drei wesentliche Aufgaben zeigen auch gleich, wie ungeheuer schwierig es ist.

  1. Das Aufheben von am Boden liegenden Gegenständen. Dies ist für viele ältere und gebrechliche Personen oft leider unmöglich; hier kann ein Roboter wirklich von großem Nutzen sein.
    Fazit: Das ist eine Paradeanwendung für Roboter, das funktioniert schon heute sehr gut und die Roboter werden auch immer besser.
  2. Gegenstände transportieren
    Eigentlich ganz logisch aber wer denkt daran? Für gebrechliche Personen ist es schwer genug, in der Wohnung von A nach B zu kommen. Dabei auch noch Gegenstände zu tragen oder eine Kaffeetasse zu balancieren ist aber extrem mühsam oder unmöglich. Diese Aufgabe erledigen Roboter ganz einfach, ein echter Gewinn an Lebensqualität für den Nutzer.
  3. Gegenstände von „oben“ herunter holen.
    Als nicht gebrechlicher oder beeinträchtiger Mensch vergisst man oft, wie viele Dinge in unserem Umfeld irgendwo „oben“ sind. Und wer z.B. im Rollstuhl sitzt, für den beginnt „oben“ schon bei weniger als der halben Raumhöhe! Ein Helferlein, welches mir Dinge aus dem oberen Drittel des Kastens holen kann, ist also äußerst wünschenswert.
    Aber genau hier zeigen sich die derzeitigen Limits der Roboter. Prof. Vincze schilderte das Dilemma:
    Einerseits soll ein Roboter über möglichst wenig Grundfläche verfügen um wenig Platz zu beanspruchen und wendig zu sein, andererseits ist für die nötige Stabilität zum Erreichen großer Höhen eine große Basis unverzichtbar! Kinetische Balancierung kostet aber viel Geld und erhöht die Komplexität.
    Kurzum, hier muss noch viel geforscht werden.

Beim anschließenden Networking im Dachgeschoß hörte man das eine oder andere skeptische Wort. Dies bestärkt mich jedoch nur in meiner Meinung: Wahre Innovationen warten nie auf den Kunden oder Fragen den Kunden, was oder wie er etwas gerne hätte, wahre Innovationen überraschen den Nutzer und befriedigen ein Bedürfnis, von dessen Existenz er/sie noch gar nichts wußte. Wie sagte Henry Ford so grandios zum Thema Automobil:

Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollten, hätten sie gesagt, sie wollen schnellere Pferde!

Ich freue mich auf weitere Veranstaltungen der DBT und gratuliere den Veranstaltern zu einem vollen Haus!