Die drei wichtigsten Erfolgskriterien für IoT-Projekte

Mittlerweile haben schon viele Organisationen das eine oder andere IoT-Pilotprojekt realisiert. Die Ergebnisse waren jedoch nicht immer so grandios positiv, wie ursprünglich erhofft. Woran mag das liegen? Nachfolgend nun aus meiner ganz persönlichen Sicht die drei wichtigsten Erfolgskriterien für IoT-Projekte. Und diesmal auch ganz und gar nicht technisch oder akademisch, sondern ganz bodenständig und unverblümt.

  1. Wer ist für das Erfassen der Daten überhaupt zuständig?

Man könnte auch ein wenig pointierter fragen: Wer wer zahlt das Projekt?
Recht schnell ist man versucht, hier Team-Effort zu rufen, also alle müssen etwas beitragen. Prinzipiell auch ganz richtig, aber schon im allernächsten Meeting wird leise nach der Kostenstelle gefragt, auf die alles Kommende zu verbuchen ist.

Wer hat nun den sprichwörtlichen Hut auf? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Mögliche Projekt-Eigentümer sind:

Das betroffene Business selbst.

Diese Variante ist recht naheliegend. Die Zuständigen für die Maschine, für den Prozess selbst, sind es, die für die Datenakquise verantwortlich sind inkl. aller damit verbundenen Kosten. Ohne jetzt irgendwem nahetreten zu wollen, sollte es offensichtlich sein, dass dies keine gute Idee ist. Allzu leicht werden dann IoT-Projekte in eine Richtung gedrängt, „heiße“ Eisen werden nicht konsequent angegriffen oder (der Klassiker!) bei einem kleinen Pilotprojekt wird „überraschenderweise“ nichts fundamental Neues gefunden. Die Warum-machen-wir-das-überhaupt-Frage folgt und das Projekt entschlummert wieder sanft und rückstandsfrei.

Das Controlling

Klingt logisch, schließlich wird der Wunsch nach Optimierungen in den allermeisten IoT-Projekten als primärer Treiber genannt. Und das Controlling hat jede Menge Erfahrung darin, sich „einzumischen“, eine etwas unfeine Beschreibung für das neutrale Hinterfragen, Dokumentieren und Bewerten. Nicht immer ist das Controlling jedoch darin geübt, Investitions-Projekte zu leiten, also erst einmal Geld auszugeben.

Stabsstelle Innovation und Digitalisierung

Akteull sehr beliebt in großen Unternehmen sind Abteilungen namens Digitalisierung oder Innovationsmanagement. Diese sind meist ganz nahe am Top-Management angesiedelt, agieren andererseits oft weit weg vom operativen Tagesgeschäft. Die Akzeptanz bei der restlichen Mannschaft ist öfter durchaus endenwollend, weil viele Innovations-Manager bewusst oder unbewusst den aktuellen Ist-Zustand prinzipiell für veränderungsbedürftig halten. Disruption um jeden Preis kommt aber nicht so gut an bei Jenen, die Tag für Tag den Laden produktiv am Laufen halten.

Quality Management

Sehr oft hat sich herausgestellt, dass die Abteilung Quality Management ein sehr guter Kandidat für die Leitung von IoT-Projekten ist. QM-Menschen sind es gewohnt, bestehendes aktiv zu hinterfragen ohne gleich alles schlecht zu reden. Sie sind, ob nun willkommen oder nicht, in allen Abteilungen bekannt und üblicherweise auch gut im Sammeln, Aufbereiten und Vermitteln von datenbasierten Fakten. Gute QM-Leute schaffen das auch, ohne den produktiven Betrieb lahm zu legen.

Wie auch immer Sie es konkret machen, beginnen Sie also mit der scheinbar banalen Frage:

Wer ist für das IoT-Projekt zuständig?

  1. Woher kommt die Expertise, aus den erfassten Daten konkrete Schlüsse zu ziehen?

Diese Frage hat es durchaus in sich! Moderne Technologien haben es sehr einfach gemacht, mit überschaubaren Kosten Unmengen an Daten zu sammeln. Und dann? Ganz unabhängig von der mindestens ebenso wichtigen Frage, welche Daten wir überhaupt sammeln wollen, ist die nachfolgende Bewertung derselben ein essentieller Baustein. Daher muss sich ein Kunde ganz offen folgende Fragen stellen:

Habe ich die nötige Expertise schon im Haus und auch längerfristig verfügbar? Gibt es externe Konsulenten, die mir dabei helfen können? Woher bekomme ich Benchmark-Daten, d.h. Vergleichsdaten, die bei der Bewertung der eigenen Daten helfen oder diese überhaupt erst ermöglichen? Und ganz wichtig: Wie objektiv sind diese Experten, egal ob intern oder extern?

In diesem Kontext hört man in letzter Zeit immer öfter Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Die Buzzwords KI und ML sind die neuen Allzweckwaffen der digitalisierten Zeit.

Gerade Technologien wie ML sind aber extrem davon abhängig, vorher mit einem intelligenten Modell gefüttert zu werden. Ob dies nun eigene Data Scientists machen, die wohl im Moment gefragteste Berufsgruppe weltweit, oder ob man diese Expertise „as a Service“ in der Cloud zukauft (siehe hier), oder ganz klassisch einem Konsulenten mit großem fachspezifischem KnowHow beauftragt; von irgendwo her muss die Expertise kommen. Verfügbar, bezahlbar und möglichst objektiv und unabhängig.

Fassen wir zusammen:

Das pure Vorhandensein von vielen Daten ist noch lange kein Ergebnis!

  1. Haben wir die gewonnenen Erkenntnisse überhaupt eine Chance auf Umsetzung?

Wenn Sie dachten, die zweite Frage ging schon unangenehm unter die Haut, dann habe ich keine guten Nachrichten. Noch sind wir nicht am Ziel.

Wir haben nun die richtigen Messwerte ausgewählt, diese bestmöglich erfasst, ordentlich analysiert und sind schlussendlich zu einem Ergebnis gekommen. Die logische Folge wäre es jetzt, mit einer konkreten Handlungsanweisung die Feedback-Schleife zu schließen, die Erkenntnisse also wieder in den ursprünglichen Prozess zurückzuführen um diesen nachhaltig zu verbessern. Welchen Zweck hätte die Übung sonst gehabt?

Wenn man das Ergebnis ohnehin schon vermutet hat und sich schon vorab darauf eingestellt hat, ist das keine große Aufgabe. Was aber, wenn das Resultat wirklich Unerwartetes liefert? Wenn plötzlich bestehende Prozesse (und die dahinterstehenden Personen und Abteilungen!) gar nicht gut dastehen, wenn echte Probleme aufgezeigt werden?

Genau dann tritt ein solches Projekt in die alles entscheidende Phase ein. Es gibt nur zwei mögliche Varianten:

  1. Das Projekt hatte seit Beginn die volle Rückendeckung des Managements. Dann werden die Fakten als das gesehen, was sie hoffentlich sind, nämlich objektive Grundlagen für relevante Business-Entscheidungen. Der Zweck der Objektivierung wurde erfüllt und echter „Insight“ wurde erzielt; man ist klüger und setzt konkrete Handlungsschritte.
  2. Das IoT-Projekt war eher eine Fingerübung für eine überschaubare Benutzergruppe als ein strategisches Projekt. Dann verschwinden die gewonnenen Erkenntnisse in irgendeiner (virtuellen) Schublade oder sind im schlimmsten Fall die Basis für entsetzliche Grabenkämpfe zwischen unterschiedlichen Abteilungen.

Ein klares Erkennungszeichen für solch ein misslungenes IoT-Projekt ist es zum Beispiel, wenn ein ursprünglich erfolgreicher Pilot dann doch nicht in den Regelbetrieb überführt wird. Dann war es plätzlich doch „nur ein Pilot“ oder Proof of Concept. Bald legt sich dann der Mantel des Schweigens darüber und viel mehr als ein „ja, das haben wir einmal als Pilotprojekt gemacht, ist aber nix Konkretes dabei rausgekommen“ bleibt nicht in Erinnerung.

Daher mein Aufruf:

Bitte versorgen Sie IoT-Projekte, und seien sie auch noch so klein, von Beginn an mit dem nötigen organisatorischen Unterbau.

Klare Zuständigkeiten, ausreichende Seniorität im Projektmanagement und schon ganz am Anfang ein klares Bekenntnis dazu, die Ergebnisse auch wirklich zu verwenden, sorgen dafür, dass Misserfolge nach Möglichkeit vermieden werden.

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass dieser lange Artikel über die drei wichtigsten Erfolgskriterien für IoT-Projekte so ganz untechnisch war.
Und genau das wollte ich heute vermitteln: IoT hat nur am Rande mit Technik zu tun. Ja, Technik ist nötig und jede Menge kleiner und großer Computer sind dabei auch involviert, im Grund aber sind sie immer Business Projekte. Mit dem feinen Unterschied, dass manchmal die Erkenntnisse aus ganz anderen Ecken der Organisation kommen, als so mancher Altgediente es vermuten würde.

Ich lade Sie ein, diesen Artikel kritisch zu hinterfragen und mir Ihre Meinungen und Erfahrungen mitzuteilen. Hier im Blog oder auf den sozialen Netzen.

7 neue Gründe, gerade jetzt mit IoT zu starten

IoT ist nun schon einige Zeit in aller Munde. Die Frage muss daher erlaubt sein: Warum gerade jetzt mit IoT starten? Eifrige Leser meines Blogs werden sich daran erinnern, dass ich schon einmal über Sieben gute Gründe für IoT geschrieben habe. Dabei ging es um Prinzipielles, heute will ich erläutern, warum JETZT ein guter Grund zum Starten ist.

An Gründen mangelt es also nicht. Auch wenn jede Anwendung ihre eigenen Metriken hat, so gibt es doch Parallelen. Die folgenden SIEBEN Gründe erscheinen deshalb halbwegs universell gültige Argumente zu sein:

  1. Mass Market Awareness
    Ja, IoT ist im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen und die allermeisten wissen, was damit gemeint ist.
  2. Cloud is everywhere
    Fast jedes Unternehmen nützt mittlerweile „die Cloud“. Da IoT und Cloud ein symbiotisches Verhältnis haben, hilft das eine dem anderen.
  3. Kleinere Sensoren
    Sensoren aller Art schrumpfen weiterhin. Teilweise auf so geringe Abmessungen, dass man sich schon fragt, wie das eigentlich noch funktionieren kann.
  4. Kleinerer Stromverbrauch
    Natürlich ganz besonders wichtig bei batteriebetriebenen Geräten aber auch sonst nicht zu unterschätzen: Je kleiner der Energieverbrauch umso universeller werden die Anwendungsmöglichkeiten
  5. Größere Performance
    Dass die Rechenleistung steigt und steigt, ist bekannt. Mittlerweile bekommt man aber schon praktisch überall „mehr als reichlich Leistung“ für die Mehrzahl der Anwendungen.
  6. Billigere Bandbreite
    Egal ob GSM, NB-IoT, LoRa, Sigfox oder gutes altes LAN-Kabel. Die Bandbreiten im LAN und natürlich auch ins Internet ist teilweise schon so günstig, dass die Übertragungskosten nur mehr ein kleiner Teil der Kosten sind.
  7. Niedrigere Kosten
    Last but not least: Billiger ist immer besser!
    Viele alte IoT-Projekte, welche seit Jahren auf Eis liegen, werden nun aktiv angegangen. Natürlich wird es wahrscheinlich noch billiger, wenn man noch ein Jahr wartet. Aber  steckt nicht hinter jedem IoT-Projekt ein konkreter Use Cases mit Nutzen, den der Kunde endlich realisieren will?
Fazit

Wenn Sie also demnächst gefragt werden, warum gerade jetzt mit IoT starten, dann haben sie zumindest sieben gute Gründe dafür. Viele andere Gründe und Hintegründe finden Sie in meinen anderen Blogposts zum Thema IoT.

Transportmechanismen im IoT

Wie im letzten Blogpost angekündigt (siehe Das geht dann irgendwie über das Netzwerk  ) möchte ich mich heute ein wenig den Transportmechanismen im IoT widmen.

„Das Internet“ gibt es in allerlei Ausprägungen wie z.B. ADSL oder WLAN-Funknetzwerke. Beiden gemeinsam ist jedoch die Tatsache, dass sie ursprünglich nicht für IoT-Anwendungen konzipiert wurden. Trotzdem erfreuen sie sich aufgrund der enormen Verbreitung hoher Beliebtheit.

Anforderungen an IoT-Netzwerke

Für die überwiegende Mehrzahl der klassischen IoT-Applikationen gelten folgende Anforderungen. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. „Transportmechanismen im IoT“ weiterlesen

Das geht dann irgendwie über das Netzwerk

Eine klassische IoT Lösung besteht primär aus drei Komponenten, von denen eine oftmals nur mit „das geht dann irgendwie über das Netzwerk“ beschrieben und nicht weiter betrachtet wird. Dieser Blogpost soll sich deshalb genau mit diesem essentiellen Teil beschäftigen.

Aber immer der Reihe nach. Die drei wesentlichen Komponenten sind:

  1. Das IoT Edge-Device oder Feldbusgerät oder Field-Gateway o.ä. Dies ist jenes Stück Hardware (inkl. Edge-Software), das im Feld, also am Ort des Geschehens platziert ist.
  2. Eine Public oder auch Private Cloud. Hier landen die Daten um zentral gespeichert und weiterverarbeitet zu werden.
  3. Last but certainly not least:
    Das Netzwerk bzw. die Transportschicht zwischen dem IoT-Device und der Cloud. Und genau darum soll es heute gehen.
Viele Wege führen in die Cloud

„Das geht dann irgendwie über das Netzwerk“ weiterlesen

Azure IoT Edge ist ein Meilenstein für IoT Clouds

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass IoT-Clouds ein höchst dynamischer Bereich sind, wo praktisch jede Woche einer der Anbieter neue Features vorstellt. Und nun behaupte ich: Das neue Microsoft Azure IoT Edge ist ein Meilenstein für IoT Clouds.

Stichwort Anbieter: Hier treffen Industriegiganten wie General Electric, Siemens oder auch Bosch auf Softwaregiganten wie Google, IBM oder Microsoft. Und man muss es den Software-Fuzzis einfach lassen: Was die in letzter Zeit in den Markt schießen, ist wirklich teilweise atemberaubend.

Der heutige Blogpost widmet sich der jüngsten IoT-Ankündigung von Microsoft namens:

Microsoft Azure IoT Edge

„Azure IoT Edge ist ein Meilenstein für IoT Clouds“ weiterlesen

Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home

Sorry, ich kann die heute durch viele Medien gegangene Ankündigung nur so interpretieren: Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home.

Dass Logitech die für die Funktion der Harmony Link nötige Cloud-Infrastruktur mit März 2018 abdreht, ist wieder einmal ein trauriger Beweis dafür, wie wenig die klassischen Consumer-Electronic Hersteller vom Thema WOHNEN, HAUS & Co verstehen.

Neben diversen technischen Gründen war eines der Argumente ganz besonders dreist:

Man fand zuwenige Kunden und daher lohnt es sich nicht, die Plattform weiter bereitzustellen!

Naja, zumindest sind sie ehrlich, liegen aber trotzdem grundfalsch! Die Kunden haben für den Betrieb dieser Plattform NICHTS bezahlt, es konnte sich also so oder so niemals lohnen! (siehe unten)

Bauchfleck mit Anlauf

Sorry, war damit nicht von Anfang an zu rechnen? Irgendwie logisch, oder nicht?
Immer der Reihe nach:

  1. Da verkauft man ein Produkt (vielleicht sogar mit Negativ-Marge), nur um den Mitbewerbern Marktanteile abzuluchsen oder Plätze zu besetzen.
  2. Dieses Produkt benötigt eine Cloud zum Betrieb; ist also ohne Cloud defacto nicht betriebsfähig. Ein echtes IoT-Gerät!
  3. Der Kunde zahlt aber kein Abo, d.h. monatliche Service-Kosten zum Zugriff auf ebendiese Cloud, sondern dem Käufer wird suggeriert, dass diese ohnehin immer da sein wird.
  4. Die absolut berchtigte Frage, woher das Geld für den langjährigen Betrieb dieser Cloud eigentlich kommen soll, stellt niemand.
  5. Ganz normale wirtschaftliche Überlegungen führen dann „irgendwann“ dazu, dass der Hersteller (im wahrsten Sinne des Wortes) dem Projekt das Licht abdreht! In diesem Fall knappe 5 Monate (!) nach Verkauf des letzten Produktes.
  6. Und jetzt weinen wieder alle! Sorry, aber dafür habe ich kein Verständnis.

Bei Autos gibts eine gesetzliche Verpflichtung, dass ein Hersteller über einen relativ langen Zeitraum Ersatzteile auch für seine Ladenhüter bereithalten muss. In der Consumer-Elektronik denkt man hingegen, dass der Konsument das „Spielzeug“ nach Ablauf der Garantie sowieso wegwirft.

Weit gefehlt, denn alles was mit Hausautomatisierung zu tun hat, benötigt eine signifikant längere Lebensdauer als die Gewährleistungsdauer. Oder wechseln Sie alle drei Jahre Ihre Lichtdimmer und Schalter aus? Na eben!

Meine Erklärung ist simpel: Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home!

Unterschied zwischen Consumer und Professional

Solange sich die Hobby-Bastler solche Produkte im Großflächenmarkt von der Palette ziehen und gemeinsam mit Nachbars Schwager am Wochenende in Betrieb nehmen, betrifft mich das absolut nicht.

Logitech ist aber einer der Hersteller, der vorallem in den USA massiv versucht, professionelle Integratoren als Händler zu gewinnen. (Link)

Diese werden sich in Zukunft wahrscheinlich doppelt und dreifach überlegen, solche Produkte zu verkaufen. Denn denken Sie doch einmal daran, in welche Schwierigkeiten ein Installateur gelangt, wenn eine mehrjährige Gewährleistungsfrist auf das Gesamtprojekt noch nicht abgelaufen ist, die Fernbedienungen aber nicht mehr funktionieren.
Richtig, der Installateur muss auf seine Kosten Ersatz besorgen und kostenfrei einbauen! Selbst wenn er aus jeglicher juristischer Verpflichtung draussen ist, wird die Kundenbeziehung massiv leiden.

Ich empfehle daher (nicht nur) den Profis, beim nächsten Super-Sonderangebot einmal kurz nachzudenken, wie der Einsatz dieses Produktes langfristig gesichert ist. KEINER von uns kann in die Zukunft schauen aber bei Beispielen wie der Logitech Harmony Link war das böse Ende irgendwie schon einprogrammiert!

Link zur Meldung auf HEISE.DE

UPDATE 10. November 2017:

Als ich zeitnah zu diesem Blogpost in einem Tweet (Link zu Twitter) die Fa. Logitech auch noch direkt angesprochen habe erhielt ich nur Stunden später eine direkte Antwort:

We want to make it right. We’re now offering a replacement Harmony Hub to all active Harmony Link users, warranty or not. For more information, please visit https://t.co/yyTrLVBl14

Logitech gibt dem immensen Druck nach und wird daher alle Harmony Link Produkte kostenlos gegen ein (ehrlicherweise deutlich leistungsfähigere HARMONY HUB austauschen.

Ist damit alles wieder gut? Meiner Meinung nach keineswegs, denn betroffene Integratoren werden den ganzen Austausch inkl. Umprogrammierung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit unbezahlt oder maximal zum Freundschaftspreis machen müssen. Andererseits gibt es die Mini-Chance, dass dieser Austausch ein Anlass ist, gleich das eine oder andere Zusatzgeschäft abzuschließen.

Ich bleibe dabei: Die Vorgangsweise mag für das Direct-To-Consumer Geschäft irgendwie in Ordnung sein, für den professionellen Smart Home Integrator sind solche Aktionen pures Gift.

Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra

Im nachfolgenden Artikel werden die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra und die Reise dorthin beschrieben.

Was ist Unified Communication?

Wer auf der Suche nach seitenlangen Erklärungen für diesen Begriff ist, wird wie fast immer auch bei Wikipedia hier fündig. Wenn Sie es lieber kurz und knackig lieben, dann nachfolgend meine Definition:

Unified Communication, also zu Deutsch „vereinheitlichte Kommunikation“ ist das Bestreben, alle Formen der elektronischen Kommunikation unter ein gemeinsames Dach zu bekommen.

Also ähnliche aber traditionell unabhängige Systeme wie Email, Instant Messaging, Videokonferenz, Presence, Screen Sharing, etc. in einem gemeinsamen System zu vereinen. Natürlich soll dieses eine System auf allen Endgeräten lauffähig sein, die der einzelne User oder die Usergruppen verwenden.

Anstatt wie oft auf diesem Blog soll es diesmal aber nicht um die Technologie gehen, sondern das Thema soll vielmehr aus Organisationssicht betrachtet werden; frei nach dem Motto: Wo steht (m)ein Unternehmen? Welche Stufen haben wir schon erklommen und was liegt vor uns?

Aktuelle Entwicklungen und ein paar Zahlen

Folgende Fakten sind vielleicht schon einzeln bekannt, wenn man diese jedoch geballt auf einem Blick sieht, verdeutlicht sich das Thema doch sehr:

  • Collaboration Tools verdrängen zunehmend herkömmliche Telefonnebenstellen-Anlage in großen Unternehmen
  • Schon mehr als 40% aller Telefonate innerhalb eines Unternehmens sind Confcalls. Diese Zahl steigt weiter rasant an; das herkömmliche 1:1 interne Telefonat stirbt aus
  • 75% der User verwenden drei oder mehr verschiedene Geräte
  • Die Mehrzahl der großen Unternehmen haben zusätzlich zu zwei oder mehr unterschiedlichen Unified Communication Plattformen noch mehrere Fabrikate von klassischen Telefonanlagen im Einsatz. Man ist also von „Unified“ meilenweit entfernt!
  • Weniger als 50% der eigentlich im Unternehmen vorhandenen UC-Lizenzen sind bei den Users ausgerollt; noch weniger sind im aktiven Gebrauch! (Stichwort: MS Office 365 E3/5 Abo)
  • Als die drei Top-Hindernisse für den verstärkten Einsatz und die Zentralisierung von UC gelten: Politik, Business Case und das IT-Netzwerk.

Quelle: Wainhouse Research 2016 nach Befragung bei IT-Entscheidern

Die fünf Stufen

Wo stehen nun die einzelnen Unternehmen? Nachfolgend die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra.

Stufe 1: Das Unternehmen mit den vielen Silos

Organisationen auf dieser Stufe haben meist mehrere, teils sogar noch analoge Telefonanlagen; oft sogar von verschiedenen Herstellern. Wenn Collaborations-Tools eingesetzt werden, dann wurden diese abteilungsweise bzw. projektbezogen beschafft. Klassische Beispiele sind hier Cisco Webex oder Teamviewer, die „irgendwann“ einfach da waren.
Collaboration ist noch keine stratgische Angelegenheit im Unternehmen und wird daher nur punktuell eingesetzt. Dazu passt auch, dass das Information Sharing noch nicht in der Unternehmenskultur angekommen ist; ganz im Gegenteil ist das Horten und „Verstecken“ von Informationen gang und gäbe.

Stufe 2: Das Unternehmen der verbesserten Kommunikation

Hier öffnet die Standardisierung auf leistungsfähige IP-Netzwerke die Türen für den vermehrten Einsatz von Collaboration. IM Instant Messaging Systeme kommen vermehrt und gesamtheitlich zum Einsatz und das Prinzip der Presence verändert die Kommunikation. Die Anzahl der Emails geht wie von Geisterhand zurück.
Die Qualität und die Quantität der Zusammenarbeit steigt, alles hat aber noch einen Touch von „die da oben wollen, dass wir so arbeiten“. Early Adaptors erkennen jedoch schon den Wert und setzen vermehrt auf die neuen Tools.

Stufe 3: Das integrierte Unternehmen

Die einzelnen Kommunikations-Silo werden zunehmend verbunden, alles wächst zusammen. Klassische Beispiele sind SIP-Anbindung von Videokonferenz-Systemen, damit man mit der hochwertigen Audiotechnik der VideoKonf auch an Telefonkonferenzen teilnehmen kann oder auch die Anbindung der Instant Messaging Plattformen wie MS Lync an die Telefonanlage. Jetzt sieht der Benutzer schon vor dem Wählen ob der Anzurufende besetzt ist oder auf Urlaub.
In Sachen Kulturwandel erkennt man den wirtschaftlichen Vorteil vereinfachter und effizienterer Kommunikation. Die ehemaligen Early Adaptors werden zu Business Champions und beweisen die Richtigkeit durch überprüfbar verbesserte Ergebnisse. Es läuft!

Stufe 4: Das Unified Enterprise

Das gesamte Unternehmen standardisiert auf eine einzelne Plattform für Instant Messaging, Presence, Audio, Video und Web Collaboration. Klassische Telefonie findet praktisch nur mehr wie Mobilfunk stark, wobei auch hier die Mehrzahl der Gespräche schon über den UC Client statt über GSM stattfindet.
Die Art und Weise, wie kommuniziert und kollaboriert wird, ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal des Unternehmens im Vergleich zum Mitbewerb. Der Fokus der Unternehmensleitung liegt primär auf der weiteren Verbesserung der Produktivität. Das darf durchaus auch etwas kosten, denn die Richtigkeit der Strategie ist längst bewiesen. Die einzelnen Mitarbeiter fühlen sich stark genug, aktiv Verbesserungen vorzuschlagen und beschleunigen so die Transformation im Unternehmen. Bestands-Systeme werden nach und nach abgelöst oder werden in DIE Plattform eingebunden. Dank SDKs und APIs ist dies auch in vertretbarem Zeit- und Kostenrahmen möglich.

Stufe 5: Die vollkommen transformierte Organisation

Es gibt eine allgegenwärtige UC Plattform, welche auf Mobiltelefonen ebenso läuft wie auf Brainstorming-Screens bei der Kaffeemaschine. Diese unterstützt jedwede Form von Kommunikation: Audio, Video, Whiteboarding, Application Sharing, etc.
Es entstehen sogenannte  CEBP = Communications-Enabled Business Processes, welche herkömmliche manuelle Workflows vollständig ablösen und die Arbeit grundlegend verändern.
Ergebnisse sind signifikant erhöhte Agilität im Inneren des Unternehmens und eine massiv gesteigerte Customer Experience nach außen. Zufriedenere Mitarbeiter sind nur eine der positiven Auswirkungen.

Willkommen im Tantra-Himmel der Unified Communication!

Das Unternehmen ist am Ziel der Transformation angekommen, wird aber weiterhin kontinuierlich nach neuen Entwicklungen Ausschau halten. Aufgrund der gemachten Erfahrungen kann man diese Neuheiten auch besser einschätzen im Vergleich zu jenen Unternehmen, welche noch auf den unteren Stufen primär mit sich selbst und den Tücken der Implementierung beschäftigt sind.
Sicherlich vergessen Unternehmen auf der höchsten Stufe keinesfalls, mit geeignetem Monitoring und Metriken die Effektivität der UC-Werkzeuge zu dokumentieren.

Und wo stehen die Unternehmen aktuell?

Laut Aussage namhafter Consulter, welche natürlich auch viele Kunden befragt haben, scheinen die meisten großen US-Unternehmen so ungefähr zwischen Stufe zwei und drei zu sein. Die übliche Technologie-Latenz von ein paar Jahren und die durchschnittlich kleinere Unternehmensgröße bedenkend, scheinen die allermeisten europäischen Firmen daher eher auf Stufe 1 bis 2 zu finden sein. Wie immer gibt es auch hier eine Normalverteilung nach Carl Friedrich Gauß, d.h. während die allermeisten auf Stufe 1 oder 2 sind, gibt es natürlich auch Euro-Champions ganz oben auf 5 oder 5. Aber natürlich auch solche, bei denen der Prozess noch gar nicht begonnen hat.

Selbstredend kann man davon ausgehen, dass die verbesserte Effektivität und Effizienz der Unternehmen auf den höheren Stufen einen massiven Marktdruck ausübt und somit Mitbewerber zum Handeln zwingt. Dank Themen wie Cloud-based UC as a Service und verbesserter Usability der Produkte spricht zumindest aus technischer Sicht nichts gegen diese Entwicklung.

Der geschätzte Leser wird an dieser Stelle aber schon längst erkannt haben, dass diese Reise ins Land des UC-Tantras nicht primär eine Sache der Technologie ist. Ich erlaube mir, nochmals an den Beginn des Artikels zu verweisen: Das allergrößte Hindernis wird in der „Firmen-Politik“ gesehen! Hier sind ganz klar die CIOs und CEOs gefordert.

Epilog

Die Inspiration zu diesem Artikel
Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra
und dessen Grundgerüst lieferte ein Webinar der von mir hochgeschätzten US-Consulting-Firma  Wainhouse Research, welches von Tata Communication gesponsert wurde.

Wie immer freue ich mich auf Ihre Kommentare und Feedbacks in den sozialen Netzen.

Sieben gute Gründe für IoT

Heute präsentiere ich Ihnen sieben gute Gründe für IOT, also ein paar Gedanken zum Thema, warum das Internet der Dinge (IoT = Internet of Things) vielleicht nicht bloß ein Hype ist, sondern Business-Realität.
Oder anders gesagt:
Warum Hersteller eigentlich gar keine andere Wahl haben, als sich eine klare Strategie rund um IoT zurechtzulegen.

Wie immer kommt die Motivation aus einer Kombination aus WOLLEN und MÜSSEN, oder weniger drastisch formuliert aus aktiven und passiven Motivationsfaktoren! 😉 „Sieben gute Gründe für IoT“ weiterlesen

Das Ende des HDMI-Kabels?

Jahrelang, man möchte schon fast sagen jahrzehntelang, war eines der zentralsten Dinge eines Meetingsraums jenes Kabel, das meist unschön mitten auf dem Tisch lag oder manchmal auch lieblos auf dem Boden. Können wir aber schon das Ende des HDMI-Kabels ausrufen?

Die Rede ist vom Anschlusskabel für die mitgebrachten Notebooks in den jeweils aktuellen Technologien. Anfangs VGA, danach HDMI und manchmal auch Display Port. Oft zu kurz, manchmal auch ohne den gerade nötigen Adapter und leider auch ab und an auch komplett verschwunden, weil vom Vornutzer des Raumes „versehentlich“ eingesteckt.
So ganz nebenbei: Das hätte nicht sein müssen, da es jede Menge cleverer Lösungen gibt, wie man diese Kabel sichert. Darum soll es aber heute nicht gehen, sondern vielmehr um eine viel essentiellere Frage:

Warum brauchen wird dieses Stück Un-Technik in Form eines Kabels also überhaupt noch? „Das Ende des HDMI-Kabels?“ weiterlesen

Warum eigentlich IoT?

Der Begriff Internet of Things oder kürzer IoT geistert durch alle Medien nirgendwo lese ich „warum eigentlich IoT“? Wer ein wenig mit Google & Co umgehen kann, wird hunderte Artikel darüber finden, WAS IoT ist. Aber vielleicht haben Sie sich schon einmal die WARUM Frage gestellt? Ich weiß schon, wann immer es um Innovationen geht, kommt man sich als WARUM-Frager immer ziemlich altmodisch vor. IoT ist neu und cool und sexy und modern und das muss als Rechtfertigung genügen, oder?

Nachfolgend ein paar Argumente, welche dafürsprechen, dass IoT eben keine kurze Modeerscheinung ist, sondern viele Bereiche unseres privaten und beruflichen Lebens fundamental verändern. Oder etwas knackiger:

„IoT ist unverzichtbar für die Megatrends des 21. Jahrhunderts“

Konvergenz von virtueller und realer Welt

Während früher IT eben pure Informationstechnologie war, also sich mit nicht angreifbaren Dingen beschäftigte, zieht die Technologie nun in alle Bereiche des realen Lebens ein. Von der Heizungssteuerung über die Körperfettwaage im Badezimmer bis hin zum smarten Etikett auf dem T-Shirt.

Mehr Daten für bessere Entscheidungen

Dass man kann nie genug wissen kann, ist eine altbekannte Tatsache. Und genau dafür sorgen die grenzenlosen Sensorenwelten der IoT-Apostel. Für weite Bereiche stimmt dies auch. Egal ob Produktion, Logistik oder auch die eigene Waschmaschine; genaue Kenntnis über den Ist-Zustand gepaart mit intelligenten Algorithmen ermöglicht bessere Entscheidungen, höhere Effizienz, geringeres Risiko. Green Technologies sind eines DER klassischen IoT Anwendungsfälle.

Neue Businessmodelle

Die Geschäftswelt ist permanent auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Dies ist keine neue Entwicklung, sondern diese Suche nach Neuem ist so alt wie die Menschheit. Wenn also immer mehr Daten darauf warten, analysiert zu werden, ist es vollkommen normal, dass Unternehmer daraus ein Geschäft machen wollen. IoT eröffnet viele neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Analyse, Controlling und Beratung aber auch bei Visualisierung und diversen Dienstleistungen. Schließlich will der Kunde die Daten nicht in ihrer Roh-Form, sondern hübsch aufbereitet erhalten.

Neue Wertschöpfungsketten

Durch das Vordringen von Internet-Technologien selbst in die hintersten Winkel der analogen Welt entstehen auch neue Wertschöpfungsketten. Oder deutlich bodenständiger ausgedrückt: Internetfirmen, seien es Netzwerkbetreiber, Cloud-Datenspeicher oder ähnliche IT-Firmen werden noch mehr als bisher mitverdienen, wenn jemand einen Tisch fertigen lässt oder eine Maschine meint, Servicebedarf zu haben. Um nur eine einzige Zahl zu nennen:

Telcos, also multinationale Telekommunikationsunternehmen wie Deutsche Telekom, Verizon & Co haben fix eingeplant, schon binnen weniger Jahre 5-10% Ihres Umsatzes mit IoT-Service zu erzielen.
(Quelle: Arthur D. Little)

Große werden noch größer

Ob man das nun gut findet oder nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass sich „die Großen“ in Sachen IoT die Butter vom Brot nehmen lassen. Soll heißen auch wenn die aktuellen Innovationen von vielen kleinen Startups kommen, so werden diese binnen kürzester Zeit von Konzernen übernommen werden und verstärken dort bestehende Produkte und Services. Oder denken Sie etwa wirklich, dass die IoT-Anbindung Ihres Fuhrparks von irgendjemand anders als dem Autohersteller realisiert werden wird?

Das Warten auf den einen Standard macht keinen Sinn

Viele behaupten zurecht, dass die Erfolgsstory Internet zu einem sehr großen Teil möglich war, weil kluge Köpfe vorausschauend Standards definiert haben, die auch noch heute gültig sind. Man denke nur an HTML oder SMTP für Emails. Im Unterschied zu heute, d.h. zu IoT gab es damals aber kaum jemand, der dem Internet wirtschaftliche Wichtigkeit beigemessen hatte. Es war also einfach, sich einem Vorschlag eines anderen anzuschließen, wenn dieser technisch fundiert war und in bester Open Source Manier veröffentlicht wurde.
Im Gegensatz dazu trifft die aktuelle IoT-Welle auf ein vollständig Business-orientiertes Internet, wo Riesen wie Google, Amazon und Microsoft nicht nur auf Milliardenerlöse hoffen, sondern ebensolche Milliarden vorab investieren um ihre Varianten als Industriestandard durchzudrücken.
Es ist also vollkommen zu erwarten, dass sich diese nicht auf einen einzigen Standard einigen werden, sondern mehrere Wahrheiten geben. Dies muss aber kein Nachteil sein, sondern bietet weitere Möglichkeiten für qualifizierte Dienstleistungen.
Nicht zuletzt gibt es auch gewichtige technische Gründe dafür, dass nicht ein einziger Standard für alle richtig ist.

Fazit

Die technische Seite von IoT ist von wenigen Ausnahmen abgesehen, absolut keine Revolution, sondern die konsequente Weiterentwicklung von bestehenden Trends und Technologien. Die unzähligen neuen Businessmodelle rund um IoT haben jedoch das Zeug, unsere Welt gründlich und nachhaltig zu verändern.

IoT ist in meinen Augen daher eher ein Vehikel für neue Megatrends als ein Megatrend selbst.

Dieser Blog-Post entstand zur Einstimmung am Vorabend des Österreichischen IoT-Days, von dem ich gesondert berichten werde.