Azure IoT Edge ist ein Meilenstein für IoT Clouds

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass IoT-Clouds ein höchst dynamischer Bereich sind, wo praktisch jede Woche einer der Anbieter neue Features vorstellt. Und nun behaupte ich: Das neue Microsoft Azure IoT Edge ist ein Meilenstein für IoT Clouds.

Stichwort Anbieter: Hier treffen Industriegiganten wie General Electric, Siemens oder auch Bosch auf Softwaregiganten wie Google, IBM oder Microsoft. Und man muss es den Software-Fuzzis einfach lassen: Was die in letzter Zeit in den Markt schießen, ist wirklich teilweise atemberaubend.

Der heutige Blogpost widmet sich der jüngsten IoT-Ankündigung von Microsoft namens:

Microsoft Azure IoT Edge

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Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home

Sorry, ich kann die heute durch viele Medien gegangene Ankündigung nur so interpretieren: Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home.

Dass Logitech die für die Funktion der Harmony Link nötige Cloud-Infrastruktur mit März 2018 abdreht, ist wieder einmal ein trauriger Beweis dafür, wie wenig die klassischen Consumer-Electronic Hersteller vom Thema WOHNEN, HAUS & Co verstehen.

Neben diversen technischen Gründen war eines der Argumente ganz besonders dreist:

Man fand zuwenige Kunden und daher lohnt es sich nicht, die Plattform weiter bereitzustellen!

Naja, zumindest sind sie ehrlich, liegen aber trotzdem grundfalsch! Die Kunden haben für den Betrieb dieser Plattform NICHTS bezahlt, es konnte sich also so oder so niemals lohnen! (siehe unten)

Bauchfleck mit Anlauf

Sorry, war damit nicht von Anfang an zu rechnen? Irgendwie logisch, oder nicht?
Immer der Reihe nach:

  1. Da verkauft man ein Produkt (vielleicht sogar mit Negativ-Marge), nur um den Mitbewerbern Marktanteile abzuluchsen oder Plätze zu besetzen.
  2. Dieses Produkt benötigt eine Cloud zum Betrieb; ist also ohne Cloud defacto nicht betriebsfähig. Ein echtes IoT-Gerät!
  3. Der Kunde zahlt aber kein Abo, d.h. monatliche Service-Kosten zum Zugriff auf ebendiese Cloud, sondern dem Käufer wird suggeriert, dass diese ohnehin immer da sein wird.
  4. Die absolut berchtigte Frage, woher das Geld für den langjährigen Betrieb dieser Cloud eigentlich kommen soll, stellt niemand.
  5. Ganz normale wirtschaftliche Überlegungen führen dann „irgendwann“ dazu, dass der Hersteller (im wahrsten Sinne des Wortes) dem Projekt das Licht abdreht! In diesem Fall knappe 5 Monate (!) nach Verkauf des letzten Produktes.
  6. Und jetzt weinen wieder alle! Sorry, aber dafür habe ich kein Verständnis.

Bei Autos gibts eine gesetzliche Verpflichtung, dass ein Hersteller über einen relativ langen Zeitraum Ersatzteile auch für seine Ladenhüter bereithalten muss. In der Consumer-Elektronik denkt man hingegen, dass der Konsument das „Spielzeug“ nach Ablauf der Garantie sowieso wegwirft.

Weit gefehlt, denn alles was mit Hausautomatisierung zu tun hat, benötigt eine signifikant längere Lebensdauer als die Gewährleistungsdauer. Oder wechseln Sie alle drei Jahre Ihre Lichtdimmer und Schalter aus? Na eben!

Meine Erklärung ist simpel: Logitech hat keine Ahnung vom Smart Home!

Unterschied zwischen Consumer und Professional

Solange sich die Hobby-Bastler solche Produkte im Großflächenmarkt von der Palette ziehen und gemeinsam mit Nachbars Schwager am Wochenende in Betrieb nehmen, betrifft mich das absolut nicht.

Logitech ist aber einer der Hersteller, der vorallem in den USA massiv versucht, professionelle Integratoren als Händler zu gewinnen. (Link)

Diese werden sich in Zukunft wahrscheinlich doppelt und dreifach überlegen, solche Produkte zu verkaufen. Denn denken Sie doch einmal daran, in welche Schwierigkeiten ein Installateur gelangt, wenn eine mehrjährige Gewährleistungsfrist auf das Gesamtprojekt noch nicht abgelaufen ist, die Fernbedienungen aber nicht mehr funktionieren.
Richtig, der Installateur muss auf seine Kosten Ersatz besorgen und kostenfrei einbauen! Selbst wenn er aus jeglicher juristischer Verpflichtung draussen ist, wird die Kundenbeziehung massiv leiden.

Ich empfehle daher (nicht nur) den Profis, beim nächsten Super-Sonderangebot einmal kurz nachzudenken, wie der Einsatz dieses Produktes langfristig gesichert ist. KEINER von uns kann in die Zukunft schauen aber bei Beispielen wie der Logitech Harmony Link war das böse Ende irgendwie schon einprogrammiert!

Link zur Meldung auf HEISE.DE

UPDATE 10. November 2017:

Als ich zeitnah zu diesem Blogpost in einem Tweet (Link zu Twitter) die Fa. Logitech auch noch direkt angesprochen habe erhielt ich nur Stunden später eine direkte Antwort:

We want to make it right. We’re now offering a replacement Harmony Hub to all active Harmony Link users, warranty or not. For more information, please visit https://t.co/yyTrLVBl14

Logitech gibt dem immensen Druck nach und wird daher alle Harmony Link Produkte kostenlos gegen ein (ehrlicherweise deutlich leistungsfähigere HARMONY HUB austauschen.

Ist damit alles wieder gut? Meiner Meinung nach keineswegs, denn betroffene Integratoren werden den ganzen Austausch inkl. Umprogrammierung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit unbezahlt oder maximal zum Freundschaftspreis machen müssen. Andererseits gibt es die Mini-Chance, dass dieser Austausch ein Anlass ist, gleich das eine oder andere Zusatzgeschäft abzuschließen.

Ich bleibe dabei: Die Vorgangsweise mag für das Direct-To-Consumer Geschäft irgendwie in Ordnung sein, für den professionellen Smart Home Integrator sind solche Aktionen pures Gift.

Asien ist Vorreiter beim Thema Smart City

Begriffe wie Smart City oder Smart Living sind in aller Munde. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stellt schnell fest: Asien ist Vorreiter beim Thema Smart City.

Die Gründe dafür sind vielfältig, nachfolgend nur eine kleine Auswahl an Gründen dafür:

  1. Der Zuzug aus den ländlichen Regionen in die immer stärker wachsenden Städte ist ungebrochen. Dies stellt eine immer größer werdende Herausforderung für Asiens Megacities dar.
  2. In Asien sind große städtebauliche Veränderungen nichts Neues. Schon öfters wurden ganze Stadtteile im wahrsten Wortsinne aus dem Boden gestampft. Zu neudeutsch „green field deployments“ oder ganz banal „auf die grüne Wiese gestellt“.
  3. In Asien gibt es viele technische Universitäten, die jährlich eine Unmenge an Ingenieuren hervorbringen. Man darf sich daher nicht über immenses Humankapital wundern.
Smart City ist mehr als Automation

Wer nun glaubt, dass die Asiaten ausschließlich total verliebt in technische Details sind, aktuell als IoT (Internet of Things) in aller Munde, der irrt jedoch gewaltig. Aktuelle Beispiele zeigen eine Vielzahl an cleveren Detaillösungen aus verschiedensten Fachrichtungen.

Oder anders gesagt:

Smart City = Smart Planning + Smart Environment + Smart Estate Services + Smart Living

Ein großartiges Beispiel aus Singapur:

Anstatt vieler Worte lade ich Sie ein, dieses Video von einer TEDx Konferenz aus dem Jahre 2015 aus Singapur anzusehen. Asien ist der Vorreiter beim Thema Smart City. Dieses Video lieferte auch die Inspiration zu diesem Blogpost:

Mir sind besonders folgende wirklichen smarten Detaillösungen aufgefallen:

  • Computerunterstützte Platzierung der Gebäude sowie aerodynamische Anpassung der Gebäudehüllen verbessern die natürliche Ventilation.
  • Strategische Platzierung von Solarpanels und Klimaanlagen. Bei beiden sinkt der Wirkungsgrad bei zu hohen Temperaturen aufgrund von Wärmestaus immens. 20% und mehr Energieeinsparung nur durch clevere Belüftung dieser Komponenten sind leicht erzielbar!
  • Platzierung von Kinderspielplätzen und Restaurant-Terrassen in jenen Bereichen, welche durch Nachbargebäude abgesschattet werden erspart Sonnensegel oder zusätzliche Bauten.
  • Verkehrsstrom-Analysen zeigen in Real-Time, wo und vorallem wann es sich staut. Dafür die ohnehin perfekt vernetzten Taxis zu verwenden, finde ich besonders smart. Das ist IoT in Reinkultur!

Welche Details in Sachen Smartness haben Sie in diesem Video noch entdeckt?

Fazit:

IoT, Smart Everything & Co sind in aller Munde. Dass es aber die konsequente Verbindung von meist ohnehin schon verfügbaren Technologien ist, wird allzuoft vergessen. Selbstverständlich bringen günstige Sensoren, WiFI und 4G allerorten sowie Cloudcomputing samt Analytics eine neue Dimension in das Thema. Städteplanung, Architektur und nicht zuletzt auch die Soziologie bleiben aber topaktuell. Asien ist Vorreiter beim Thema Smart City wie viele aktuelle Entwicklungen zeigen.

Wie denken Sie über das Thema? Ich freue mich auf Ihr Feedback in den sozialen Netzen und hier als Kommentar.

10 Fragen des Raummanagements – Teil 9

Hier ist er nun der finale Teil der Blogpost-Series „10 Fragen des Raummanagements“. Wenn Sie erst jetzt eingestiegen sind, so finden Sie hier den Beginn dieser Serie.

Dass es so lange bis zum Grande Finale gedauert hat, war ursprünglich nicht geplant. Die zusätzlichen Erfahrungen einiger Projekte waren es meiner Meinung jedoch nach absolut wert. Es ist mir eine Freude, nachfolgend nun endlich eine Art Schlussstein zu setzen. Diese Artikelserie ist meines Wissens nach im deutschen Sprachraum noch immer einzigartig. Durch das umfangreiche Feedback fühle ich mich bestätigt und bedanke mich bei Allen für das Interesse.

Was kostet der Spaß?

Einer der offenen Fragen aus den vorangegangenen Beiträgen ist die Frage nach den Kosten. Und wie immer ist die Antwort: „Es kommt ganz drauf an“ bzw. die internationale Variante: „Well, it depends!“

„10 Fragen des Raummanagements – Teil 9“ weiterlesen

Einen Schutzhelm für den CIO

Eigentlich ist die Geschichte eine alte. Die Baustelle ist so gut wie fertig und die Benutzer sollen das Gebäude übernehmen. Dies ist auch die Zeit, wo ein CIO oftmals zum ersten Mal erfährt, wofür er/sie denn künftig noch so zuständig sein soll. Denn eines ist sicher: Moderne Gebäude bestehen schon lange nicht mehr nur aus Betaon und Stahl .

Doch wo war der CIO während der gesamten Planungs- und Bauphase? Daher mein heutiges Motto:

Einen Schutzhelm für den CIO!

Oder ein wenig weniger plakativ: CIOs oder ihm unterstellte Personen MÜSSEN meiner Meinung nach in den Design- und Realisierungsprozess eingebunden werden.

Moderne Gebäude, nicht nur aber ganz speziell auch solche für Bildungseinrichtungen wie FHs und Unis, haben vielleicht einen Körper aus Stahl und Beton. Die Augen, Ohren und das Nervensystem sind aber Technologien wie IP-Netzwerke, angreifbare IOT-Geräte mit regelmäßigen Firmware-Updates und schützenswerte Remote-Schnittstellen.
Um ganz ehrlich zu sein: Dieser Vergleich mit dem menschlichen Körper ist nicht mir eingefallen. Er stammt von Mark Valenti, dem CEO der Sextant Group, einem höchst renommierten Planungsbüro in den USA. Und dass das Problem in den kommenden Jahren nicht kleiner, sondern massiv größer wird, werden Sie mir als treuer Leser dieses Blogs hoffentlich glauben.

Nachfolgend fünf Strategien zur Einbindung von CIOs und anderen Technologie-Verantwortlichen in Bauprojekte:

  1. IT von Anfang an in den Designprozess einplanen

Dies bedeutet nicht nur, dass die IT rechtzeitig Platzbedarf und Wünsche betreffend Verkabelung äußerst, sondern die aktive Mitarbeit beim Design und der Planung aller technologie-relevanten Gewerke.

Das allerbeste Schließsystem mit Chipkarten und Iris-Identifikation nützt nichts, wenn es dem grundlegenden Identity-Management des Unternehmens widerspricht.  Das hochvernetzte und an die Cloud angebundene Energiemanagement muss natürlich der Security-Policy entsprechen und über die zentrale Firewall laufen. Hier ist Know-How sowohl in Sachen Technologie als auch intime Kenntnis der Organisation nötig.

Die Technologie-Abteilung, oder wie auch immer sie heißen möge, ist schon lange aus der ragierenden Rolle, nämlich dem Lösen von akuten IT-Problemen heraus. Moderne CIOs sind Partner in praktisch jedem Prozess innerhalb der Organisation und gestalten aktiv mit.

  1. Eine neue Rolle für die IT

Über die neue Rolle der IT und somit des CIO wurde in diesem Blog schon mehrmals berichtet (Artikel für CIOs). Je öfter das Wort IoT fällt umso mehr muss klar sein:

Wo immer Technologie, da auch der CIO und seine Teams!

Der Aufbau der nötigen Ressourcen bzw. Integration der ehemals externen Fachabteilungen unter das Dach der IT ist meiner Meinung nach eine der primären Aufgaben heutiger CIOs.

  1. Technologie für jeden Raum anpassen

Je flexibler moderne Räume sein müssen, ganz gleich ob Open Space Offices oder die Uni-Aula, umso flexibler muss auch die dort eingesetzte Technologie sein. Aber wie einfach oder kompliziert ist es denn in der Realität, beispielsweise Leuchten zu anderen Gruppen zusammenzufassen, um einer geänderten Möblierung Rechnung zu tragen? Wie abgesichert müssen Netzwerkanschlüsse ausgeführt sein, welche in der allgemein zugänglichen Aula für das Digital Signage zuständig sind?
Auch wenn die konkrete Arbeit vielleicht von Outsourcing-Partnern gemacht wird, so muss zumindest grundlegendes Know-How und Kenntnis der Technologie inhouse verfügbar sein.

  1. IT als Teil eines integrierten Planungsprozesses

Heute werden in vielen Fällen Mockup-Rooms gemacht, um gemeinsam mit Testusern Einrichtung, Beleuchtung und Design zu validieren und Probleme aufzuzeigen, bevor ein Fehler in hunderte Räume eingebaut wird. Viel zu oft sind dies aber nur optische Experimente und die ebenso wichtige Technologie wird andernorts gesondert erprobt. Diese Vorgangsweise ist in Zeiten der engen Verzahnung der Technologiegewerke aber selten zielführend. Daher an dieser Stelle gleich nochmals der Aufruf: Einen Schutzhelm für den CIO und ab auf die Baustelle mit ihm/ihr. Der Architekt läuft ja auch auf der Baustelle herum und begnügt sich nicht mit der Rolle am Zeichentisch, oder?

  1. Zukunftssicher planen

Die antizipierte Lebensdauer der einzelnen Gewerke variiert stark. Während der Baumeister durchaus in Dekaden denkt, weiß der IT-Techniker, dass schon in 5-7 Jahren keine Security-Updates für gewisse Produkte verfügbar sein werden. Obwohl der Vergleich hinkt und die Wortwahl ein wenig gewagt ist:

Die Technik vermodert langsam aber stetig!

Zukunftssicher zu planen bedeutet also nicht, nur auf Technologien zu setzen, die es voraussichtlich in 30 Jahren auch noch geben wird Das wäre vollkommen illusorisch, denn NIEMAND kann seriös eine solche Technologie-Prognose abgeben. Selbst wenn die Technologie noch verfügbar wäre, ist sie nach den dann geltenden Maßstäben hoffnungslos veraltet.
Stattdessen muss man sich der „Vergänglichkeit“ von Technologien bewusst sein. Also im wahrsten Sinne des Wortes damit rechnen, dass viele Komponenten und Technologien im Laufe der Lebensdauer eines Gebäudes teilweise mehrfach gegen andere getauscht werden. Ob diese Technologie-Upgrades nun CapEX oder OpEX sind, darüber lässt sich trefflich streiten.

Zusammenfassung

Vielleicht muss man meinen Aufruf „einen Schutzhelm für den CIO“ nicht ganz wörtlich nehmen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Expertise des CIOs und seiner Mannschaft unverzichtbar für moderne Gebäude ist. Und dies ist ein sehr guter Grund, den CIO schon möglichst frühzeitig zu einem Bauprojekt einzubinden.

Nicht nur aber ganz besonders in Sachen IOT-Security. Auch wenn mich jetzt der eine oder andere dafür kritisieren wird, erlaube ich mir folgende provokante Aussage:

Die überwiegende Mehrzahl der in der Gebäudetechnik Tätigen hat kein ausreichendes Wissen über die Gefahren, die die Vernetzung innerhalb eines Gebäudes mit sich bringt.

Nahezu jede Woche berichten Fachmedien über schwerwiegende Sicherheitsmängel in IoT-Geräten. Immer wieder wird auf das Gleiche hingewiesen: Das Verschulden trifft ganz sicher nicht nur die Hersteller, sondern ins besonders auch die Errichter und Betreiber von solchen Netzwerken.

In diesem Sinne ein Aufruf an alle CIOs: Besorgt Euch einen Schutzhelm und dringt einmal vor in das unbekannte Land der Baustellen und Baucontainer. Euer Know How ist dort wirklich gefragt!

Wie immer freue ich mich auf Kommentare und die Weiterverbreitung dieses Artikels.

Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra

Im nachfolgenden Artikel werden die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra und die Reise dorthin beschrieben.

Was ist Unified Communication?

Wer auf der Suche nach seitenlangen Erklärungen für diesen Begriff ist, wird wie fast immer auch bei Wikipedia hier fündig. Wenn Sie es lieber kurz und knackig lieben, dann nachfolgend meine Definition:

Unified Communication, also zu Deutsch „vereinheitlichte Kommunikation“ ist das Bestreben, alle Formen der elektronischen Kommunikation unter ein gemeinsames Dach zu bekommen.

Also ähnliche aber traditionell unabhängige Systeme wie Email, Instant Messaging, Videokonferenz, Presence, Screen Sharing, etc. in einem gemeinsamen System zu vereinen. Natürlich soll dieses eine System auf allen Endgeräten lauffähig sein, die der einzelne User oder die Usergruppen verwenden.

Anstatt wie oft auf diesem Blog soll es diesmal aber nicht um die Technologie gehen, sondern das Thema soll vielmehr aus Organisationssicht betrachtet werden; frei nach dem Motto: Wo steht (m)ein Unternehmen? Welche Stufen haben wir schon erklommen und was liegt vor uns?

Aktuelle Entwicklungen und ein paar Zahlen

Folgende Fakten sind vielleicht schon einzeln bekannt, wenn man diese jedoch geballt auf einem Blick sieht, verdeutlicht sich das Thema doch sehr:

  • Collaboration Tools verdrängen zunehmend herkömmliche Telefonnebenstellen-Anlage in großen Unternehmen
  • Schon mehr als 40% aller Telefonate innerhalb eines Unternehmens sind Confcalls. Diese Zahl steigt weiter rasant an; das herkömmliche 1:1 interne Telefonat stirbt aus
  • 75% der User verwenden drei oder mehr verschiedene Geräte
  • Die Mehrzahl der großen Unternehmen haben zusätzlich zu zwei oder mehr unterschiedlichen Unified Communication Plattformen noch mehrere Fabrikate von klassischen Telefonanlagen im Einsatz. Man ist also von „Unified“ meilenweit entfernt!
  • Weniger als 50% der eigentlich im Unternehmen vorhandenen UC-Lizenzen sind bei den Users ausgerollt; noch weniger sind im aktiven Gebrauch! (Stichwort: MS Office 365 E3/5 Abo)
  • Als die drei Top-Hindernisse für den verstärkten Einsatz und die Zentralisierung von UC gelten: Politik, Business Case und das IT-Netzwerk.

Quelle: Wainhouse Research 2016 nach Befragung bei IT-Entscheidern

Die fünf Stufen

Wo stehen nun die einzelnen Unternehmen? Nachfolgend die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra.

Stufe 1: Das Unternehmen mit den vielen Silos

Organisationen auf dieser Stufe haben meist mehrere, teils sogar noch analoge Telefonanlagen; oft sogar von verschiedenen Herstellern. Wenn Collaborations-Tools eingesetzt werden, dann wurden diese abteilungsweise bzw. projektbezogen beschafft. Klassische Beispiele sind hier Cisco Webex oder Teamviewer, die „irgendwann“ einfach da waren.
Collaboration ist noch keine stratgische Angelegenheit im Unternehmen und wird daher nur punktuell eingesetzt. Dazu passt auch, dass das Information Sharing noch nicht in der Unternehmenskultur angekommen ist; ganz im Gegenteil ist das Horten und „Verstecken“ von Informationen gang und gäbe.

Stufe 2: Das Unternehmen der verbesserten Kommunikation

Hier öffnet die Standardisierung auf leistungsfähige IP-Netzwerke die Türen für den vermehrten Einsatz von Collaboration. IM Instant Messaging Systeme kommen vermehrt und gesamtheitlich zum Einsatz und das Prinzip der Presence verändert die Kommunikation. Die Anzahl der Emails geht wie von Geisterhand zurück.
Die Qualität und die Quantität der Zusammenarbeit steigt, alles hat aber noch einen Touch von „die da oben wollen, dass wir so arbeiten“. Early Adaptors erkennen jedoch schon den Wert und setzen vermehrt auf die neuen Tools.

Stufe 3: Das integrierte Unternehmen

Die einzelnen Kommunikations-Silo werden zunehmend verbunden, alles wächst zusammen. Klassische Beispiele sind SIP-Anbindung von Videokonferenz-Systemen, damit man mit der hochwertigen Audiotechnik der VideoKonf auch an Telefonkonferenzen teilnehmen kann oder auch die Anbindung der Instant Messaging Plattformen wie MS Lync an die Telefonanlage. Jetzt sieht der Benutzer schon vor dem Wählen ob der Anzurufende besetzt ist oder auf Urlaub.
In Sachen Kulturwandel erkennt man den wirtschaftlichen Vorteil vereinfachter und effizienterer Kommunikation. Die ehemaligen Early Adaptors werden zu Business Champions und beweisen die Richtigkeit durch überprüfbar verbesserte Ergebnisse. Es läuft!

Stufe 4: Das Unified Enterprise

Das gesamte Unternehmen standardisiert auf eine einzelne Plattform für Instant Messaging, Presence, Audio, Video und Web Collaboration. Klassische Telefonie findet praktisch nur mehr wie Mobilfunk stark, wobei auch hier die Mehrzahl der Gespräche schon über den UC Client statt über GSM stattfindet.
Die Art und Weise, wie kommuniziert und kollaboriert wird, ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal des Unternehmens im Vergleich zum Mitbewerb. Der Fokus der Unternehmensleitung liegt primär auf der weiteren Verbesserung der Produktivität. Das darf durchaus auch etwas kosten, denn die Richtigkeit der Strategie ist längst bewiesen. Die einzelnen Mitarbeiter fühlen sich stark genug, aktiv Verbesserungen vorzuschlagen und beschleunigen so die Transformation im Unternehmen. Bestands-Systeme werden nach und nach abgelöst oder werden in DIE Plattform eingebunden. Dank SDKs und APIs ist dies auch in vertretbarem Zeit- und Kostenrahmen möglich.

Stufe 5: Die vollkommen transformierte Organisation

Es gibt eine allgegenwärtige UC Plattform, welche auf Mobiltelefonen ebenso läuft wie auf Brainstorming-Screens bei der Kaffeemaschine. Diese unterstützt jedwede Form von Kommunikation: Audio, Video, Whiteboarding, Application Sharing, etc.
Es entstehen sogenannte  CEBP = Communications-Enabled Business Processes, welche herkömmliche manuelle Workflows vollständig ablösen und die Arbeit grundlegend verändern.
Ergebnisse sind signifikant erhöhte Agilität im Inneren des Unternehmens und eine massiv gesteigerte Customer Experience nach außen. Zufriedenere Mitarbeiter sind nur eine der positiven Auswirkungen.

Willkommen im Tantra-Himmel der Unified Communication!

Das Unternehmen ist am Ziel der Transformation angekommen, wird aber weiterhin kontinuierlich nach neuen Entwicklungen Ausschau halten. Aufgrund der gemachten Erfahrungen kann man diese Neuheiten auch besser einschätzen im Vergleich zu jenen Unternehmen, welche noch auf den unteren Stufen primär mit sich selbst und den Tücken der Implementierung beschäftigt sind.
Sicherlich vergessen Unternehmen auf der höchsten Stufe keinesfalls, mit geeignetem Monitoring und Metriken die Effektivität der UC-Werkzeuge zu dokumentieren.

Und wo stehen die Unternehmen aktuell?

Laut Aussage namhafter Consulter, welche natürlich auch viele Kunden befragt haben, scheinen die meisten großen US-Unternehmen so ungefähr zwischen Stufe zwei und drei zu sein. Die übliche Technologie-Latenz von ein paar Jahren und die durchschnittlich kleinere Unternehmensgröße bedenkend, scheinen die allermeisten europäischen Firmen daher eher auf Stufe 1 bis 2 zu finden sein. Wie immer gibt es auch hier eine Normalverteilung nach Carl Friedrich Gauß, d.h. während die allermeisten auf Stufe 1 oder 2 sind, gibt es natürlich auch Euro-Champions ganz oben auf 5 oder 5. Aber natürlich auch solche, bei denen der Prozess noch gar nicht begonnen hat.

Selbstredend kann man davon ausgehen, dass die verbesserte Effektivität und Effizienz der Unternehmen auf den höheren Stufen einen massiven Marktdruck ausübt und somit Mitbewerber zum Handeln zwingt. Dank Themen wie Cloud-based UC as a Service und verbesserter Usability der Produkte spricht zumindest aus technischer Sicht nichts gegen diese Entwicklung.

Der geschätzte Leser wird an dieser Stelle aber schon längst erkannt haben, dass diese Reise ins Land des UC-Tantras nicht primär eine Sache der Technologie ist. Ich erlaube mir, nochmals an den Beginn des Artikels zu verweisen: Das allergrößte Hindernis wird in der „Firmen-Politik“ gesehen! Hier sind ganz klar die CIOs und CEOs gefordert.

Epilog

Die Inspiration zu diesem Artikel
Die fünf Stufen zum Unified Communication Tantra
und dessen Grundgerüst lieferte ein Webinar der von mir hochgeschätzten US-Consulting-Firma  Wainhouse Research, welches von Tata Communication gesponsert wurde.

Wie immer freue ich mich auf Ihre Kommentare und Feedbacks in den sozialen Netzen.

Kommunikation 4.0 im Unternehmen

Wer diesen Blog regelmäßig liest oder mich persönlich kennt, der weiß schon, dass ich immer auf der Ausschau nach „Waffenbrüdern“ bin, also Kollegen mit ähnlichen Zielen und Ansichten. Heute möchte ich eine der wohl interessantesten Keynotes zum Thema Kommunikation 4.0 im Unternehmen in Deutscher Sprache verlinken.

Nachfolgend ein ca. 40 Minuten langes Video einer Keynote, welche anlässlich der AV Solution Partner Roadshow gehalten wure. Sie erinnern sich vielleicht, dass auch ich schon eine Keynote für eine Roadshow dieser Vereinigung halten durfte (Link und Link).

Und nun ohne viel Verzögerung; lauschen Sie diesem wirklich interessanten Vortrag von Detlef Artlet, dem CEO von aixwox, einem Consultingunternehmen aus Deutschland.

YouTube-Video zum Thema Kommunikation 4.0

Persönliches Fazit

Abgesehen von den gut ausgewählten Videos faszinierte mich, mit welcher Geschwindigkeit sich die Technik und damit die Anforderungen weiterentwickeln. Wenn der Vortragende vom ISDN-Bildtelefon und der Pre-Smartphone-Zeit sprach, so klang das wie aus dem Geschichte-Unterricht, obwohl es doch gerade einmal ca. 10 Jahre her ist. Und wer jetzt meint, dass 10 Jahre ja ohnehin eine Ewigkeit sind, dann erlaube ich mir, daran zu erinnern, dass eine solche Zeitspanne kürzer als die durchschnittliche Lebensdauer der Büroeinrichtung ist! In anderen Worten: Es ist wahrscheinlich nicht das Beharrungsmoment der Menschen, die Innovation erschwert, sondern vielmehr die Trägheit seiner Immobilie bzw. deren Einrichtung. Dies nur so als Gedankenanstoß für die Verantwortlichen des Facility Managements.

Wenn auch Sie dieses Video inspiriert hat, über die Kommunikation im allgemeinen und die Medientechnik im Speziellen nachzudenken, so stehe ich gerne als Ihr Gesprächspartner zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme und wünsche noch einen wunderschönen Sommer.

Sieben gute Gründe für IoT

Heute präsentiere ich Ihnen sieben gute Gründe für IOT, also ein paar Gedanken zum Thema, warum das Internet der Dinge (IoT = Internet of Things) vielleicht nicht bloß ein Hype ist, sondern Business-Realität.
Oder anders gesagt:
Warum Hersteller eigentlich gar keine andere Wahl haben, als sich eine klare Strategie rund um IoT zurechtzulegen.

Wie immer kommt die Motivation aus einer Kombination aus WOLLEN und MÜSSEN, oder weniger drastisch formuliert aus aktiven und passiven Motivationsfaktoren! 😉 „Sieben gute Gründe für IoT“ weiterlesen

Warum eigentlich Medientechnik Consulting?

Die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting? wird mir immer wieder gestellt und wie jede gute Frage verdient sie sich eine gute Antwort. Ich versuche in diesem Blogpost daher ein paar hoffentlich sogar sehr gute Antworten zu liefern.

Begriffsdefinition

Anstatt bei Wikipedia wurde ich diesmal im Gabler Wirtschaftslexikon fündig:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/consulting.html

Consulting ist die individuelle Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen durch Interaktion zwischen externen, unabhängigen Personen oder Beratungsorganisationen und einem um Rat nachsuchenden Klienten.

Nach dieser brillanten aber sehr allgemein gehaltenen Version versuche ich mich an einer recht konkreten Umformulierung für unsere kleine Branche:

Während sich Technische Planungsbüros auf das WIE konzentrieren, beschäftigt sich der Consulter im Auftrag des Kunden mit dem WAS und WARUM.

Wozu brauche ich also einen Consulter?

„Warum eigentlich Medientechnik Consulting?“ weiterlesen

10 Fragen des Raummanagements – Teil 8 – Wer und was muss noch von der Buchung wissen?

Herzlich willkommen zum nun Teil 8 in der Blog-Serie 10 Fragen des Raummanagements.
Heute beleuchte ich die Fragen 8 und 9 unserer ursprünglichen Frageliste:
Frage 8: Was sollte mein Gebäude über die Buchung wissen?

Frage 9: Wer sollte bzw. muss noch von der Buchung wissen?

Was sollte mein Gebäude über Raumbuchungen wissen?

Auf den allerersten Blick scheint diese Frage in der Tat ein wenig seltsam. Unter einem Gebäude stellen sich die allermeisten Menschen etwas (im wortwörtlichen Sinne!) sehr Statisches vor. Doch der Schein trügt, denn moderne Gebäude und die damit verbundenen Services müssen heutzutage äußerst flexibel und reaktionsfreudig sein, um die zugesagten Leistungen mit dem vorhandenen Budget bereitstellen zu können. Fällt dies zu leicht, so vermutet das Management mit Recht Optimierungsbedarf, einer Umschreibung für Einsparungsbedarf.

„10 Fragen des Raummanagements – Teil 8 – Wer und was muss noch von der Buchung wissen?“ weiterlesen