Nach BYOD kommt BNBY

BYOD ist nun schon wieder einige Jahre her. Was wohl danach kommt? Wie wäre es damit:
Nach BYOD kommt BNBY!
Noch nie davon gehört? Gut möglich, aber vielleicht arbeiten Sie sogar schon nach dem BNBY Prinzip ohne es zu wissen.

BYOD oder die Idee des mobilen Office

BYOD steht bekanntlich für Bring Your Own Device und bedeutet nichts anderes, als dass jeder Präsentator sein eigenes Office in Form eines Notebooks, Tablets oder Smartphones immer mit sich herumträgt. Folglich müssen die Meeting-Räume darauf vorbereitet sein, diese mitgebrachten Quellen einfach und bequem nutzbar zu machen. Entweder ganz konventionell mit verkabelten Schnittstellen wie HDMI, DisplayPort bzw. dem unverwüstlichen VGA oder in Form von unterschiedlichsten drahtlosen Schnittstellen wie Clickshare, Airmedia, Miracast & Co.

Wozu aber Geräte herumschleppen?

Vom Argument der vertrauten Hardware einmal abgesehen gibt es heutzutage jedoch zunehmend weniger Bedarf an BYOD. Der Grund dafür ist einfach:

Der Content, den man zur Präsentation benötigt, liegt in der Cloud. Darauf kann man von überall zugreifen, daher auch vom Meetingraum aus.
Und nicht vergessen: Die Ergebnisse des Meetings müssen auch wieder in die Cloud zurück!

Aus dieser Sicht wäre es sehr eigenartig, wenn der Content zuerst aus der Cloud zum Tablet des Präsentators und dann erst (via Kabel?) zum Display gelangen würde anstatt direkt vom LCD-Screen aus der Cloud geladen zu werden.

Nach BYOD kommt BNBY

BNBY ist nun also das neue Schlagwort und es steht schlicht für
BNBY = Bring Nothing But You.

Anstatt das Personal Device mehr oder minder umständlich an die Technik des Meetingraums anzubinden identifiziert sich die Nutzer gegenüber der fix installierten Infrastruktur und greift direkt auf seinen Content zu. Weil dieser Content zunehmend in Diensten wie Microsoft365, MS Team oder Cisco Webex Teams lagert UND auch wieder dorthin zurück muss, macht das einfach Sinn.

Knackpunkt einfache User-Identifizierung

Aber wie identifiziert sich der User? Schließlich ist die Authentifizierung der Schlüssel zum Zugriff auf die Cloud-Daten.
Wer erinnert sich noch an den NFC-Reader im ersten MS Surface Hub anno 2015? Das war damals seiner Zeit weit voraus, gewissermaßen aber schon der erste Vorbote von BNBY. Der Nutzer sollte sich per Mitarbeiter-Badge gegenüber dem Device authentifizieren und danach auf seinen Content zugreifen können. Eine wirklich großartige Idee, doch vor MS Teams blieb nur der Zugriff auf Netzwerklaufwerke oder MS Onedrive. Das war noch kein überzeugender Workflow. Auch die extra Hardware bzw. die Verknüpfung mit Chipkarten erhöhte die Komplexität weiter. Dementsprechend bescheiden blieben die Erfolge.

Dabei geht es viel eleganter:
Am Raum-Display erscheint ein QR-Code, welchen der Nutze mit seinem Smartphone nur mehr abscannen muss. Das versteht jeder User, es werden keinerlei Passwörter prominent auf dem Raumdisplay angezeigt und es braucht keine Extra-Hardware im Meetingraum.
Viele werden an dieser Stelle zurecht anmerken, dass die PC-Version von Whatsapp genau diesen Trick verwendet! Ein weiteres Beispiel dafür, dass Consumer-Technik zunehmend Einzug in kommerzielle Anwendungen findet.
Nach diesem einfachenLogin steht dem Kunden seine vertraute Umgebung bereit. Ob dies nun sein Microsoft-Teams ist oder sein CISCO-Webex Teams oder gar (dank VDI-Technik) sein gesamter Desktop aus der Cloud, das Ergebnis ist stets das gleiche:
Zugriff auf den persönlichen Content dank BNBY = Bring Nothing But You

Ist Ihnen aufgefallen, dass im Jahr 2020 offenbar das persönliche Smartphone als Teil der Person angesehen wird? Ein Erscheinen ohne Smartphone („bring nothing“) ist offensichtlich mittlerweile denkunmöglich.

Konkrete Anwendungen

Die meines Wissens nach erste überzeugende Implementierung des BNBY Konzeptes sind die neuen Produkte CTouch for Teams Go und CTouch For Teams Talk. Während das erste nur den Zugriff auf Dokumente erlaubt, erweitert die zweite Variante, wie der Name schon vermuten lässt, die Nutzungsmöglichkeiten für MS Teams Conference Calls dank Kamera, Mikrofon und Lautsprechern.

Aber auch Produkte wie das Cisco Webex Room Kit Mini folgen dem BNBY Gedanken. In der Cisco-Welt steht mit Webex Teams ein äußerst leistungsfähiges Collaborations-Tool zur Verfügung, welches sich optimal für BNBY-Räume eignet.

Systemunabhängige Anbieter wie POLY bieten ähnliche Produkte an; als Beispiel sei deren Poly Studio X Produktreihe genannt.

Sie können darauf vertrauen, dass mit der zunehmenden Verbreitung von Cloud-Diensten Kunden vermehrt nach BNBY Anforderungen an Ausrüster und Medientechnik-Hersteller fragen werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Die zunehmende Verlagerung des Contents in die Cloud ermöglicht eine neue Gerätekategorie bzw. die Erweiterung bestehender Räume mittels Software-Upgrades. Nach BYOD kommt BNBY. Damit ist eine der zentralen Anforderungen an einen Meetingraum als temporärer Arbeitsplatz gelöst:

Im Meetingraum ist schon alles vorhanden, was ich als Nutzer für mein Meeting brauche. Die vor Ort befindliche Technologie reicht aus, um auf meine in der Cloud gespeicherten Dokumente und Daten zugreifen zu können.

Ist BYOD damit tot? Mit Sicherheit nicht, aber man darf, nein man muss sich die Frage stellen, warum man per Bring Your Own Device ausgerechnet Technik in den Raum tragen sollte. Sie rollen ja auch nicht Ihren Bürosessel in den Besprechungsraum sondern verlassen sich ja darauf, dass Tisch und Sessel schon vor Ort sind. Sie sehen, Sie nutzen BNBY ja schon seit Jahren…
Wie immer freue ich mich auf Ihre Kommentare hier oder in den sozialen Netzwerken.

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