Warum eigentlich Medientechnik Consulting?

Die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting? wird mir immer wieder gestellt und wie jede gute Frage verdient sie sich eine gute Antwort. Ich versuche in diesem Blogpost daher ein paar hoffentlich sogar sehr gute Antworten zu liefern.

Begriffsdefinition

Anstatt bei Wikipedia wurde ich diesmal im Gabler Wirtschaftslexikon fündig:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/consulting.html

Consulting ist die individuelle Aufarbeitung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen durch Interaktion zwischen externen, unabhängigen Personen oder Beratungsorganisationen und einem um Rat nachsuchenden Klienten.

Nach dieser brillanten aber sehr allgemein gehaltenen Version versuche ich mich an einer recht konkreten Umformulierung für unsere kleine Branche:

Während sich Technische Planungsbüros auf das WIE konzentrieren, beschäftigt sich der Consulter im Auftrag des Kunden mit dem WAS und WARUM.

Wozu brauche ich also einen Consulter?

Für einen professionellen Consulting-Prozess gibt es DREI wesentliche Gründe:

1. Konsensfindung innerhalb des Unternehmens durch neutralen Input von außen

Beginnen wir gleich mit dem heißesten Eisen. Ein Konsens muss nur dann gefunden werden, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Und an unterschiedlichen Meinungen mangelt es mit Sicherheit nicht, oder?!

Ganz egal ob in Unternehmen oder auch in Universitäten, immer ist die Medientechnik Teil eines Ganzen. Die klassischen AV-Spezialisten haben den Wunsch nach der modernsten Technik, die Herrschaften von der Personalvertretung drängen auf einfachste Bedienung, der CIO/CTO fordert die vollständige Kompatibilität zu den bestehenden Monitoring-Werkzeugen und die Finanzabteilung hat für all das sowieso viel zu wenig Geld! Wer also soll diesen gordischen Knoten lösen?

Die einfachste Lösung wäre es nun sicherlich, den gemeinsamen Chef aller Beteiligten zum Projektleiter zu machen aber wer ist das? Richtig, der Ober-Boss, auch CEO, Vorstand oder Geschäftsführer genannt. Erst bei diesem laufen alle beteiligten Abteilungen unseres absolut realistischen Beispiels zusammen! Aber der hat (hoffentlich!) andere Themen auf seiner Agenda und wird sich daher wohl kaum selbst zum Projektleiter erklären.

Es ist also naheliegend hier einen Externen in den Prozess einzubringen, welcher außerhalb der Hierarchie-Pyramide steht. Genau dies ist nun Aufgabe eines Consulters.

Womit wir die erste Antwort auf die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting? haben.

2. Mangel an Ressourcen und Zeit in der eigenen Organisation

Im Management gibt es sehr oft zu wenig Zeit und Ressourcen für die Lösung der konkreten Aufgabenstellung. Darüber hinaus werden die analytischen Fähigkeiten, die methodische Herangehensweise und die Erfahrung aus ähnlichen Projekten eines externen Profis gesucht.

Konkretes Beispiel:
Die Erstellung eines in diesem Blog schon mehrmals angesprochenem AV-Masterplans (Liste von Artikeln)  gehört nicht zu den täglichen Aufgabenstellungen eines CIO/CTO. Es ist auch ziemlich unmöglich, dass sich das Management für ein paar Wochen aus dem Tagesgeschäft ausklinkt, um sich diesem einen Thema exklusiv widmen zu können. Dass ein AV-Masterplan, der für mehrere Jahre Gültigkeit haben soll, jedoch kein Nebenbei-Projekt ist, wird aber jedem ernsthaften Manager klar sein.

Zusätzlich ist mit Sicherheit auch externer Input von vergleichbaren Organisationen (Peer Benchmarking) gefragt, niemand will bei Null beginnen oder auch die Fehler Anderer wiederholen, richtig?

Die Aufgabe des externen Consulters ist es nun, den Prozess zu steuern, Input zu liefern, Daten aufzubereiten, Risken zu bewerten und all dies in eine Form zu bringen, welche dem Management alle offenen Fragen beantwortet und somit klare Handlungsanweisungen ermöglicht.

Womit wir also die zweite Antwort hätten auf die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting?.

3. Spezialwissen

Von einem Consulter wird berechtigterweise umfangreiches Spezialwissen erwartet. Dies ist normalerweise innerhalb der Organisation nicht vorhanden, woher sollte es auch kommen?

Hier liegt der Schwerpunkt weniger auf technischen Details einzelner Produkte. Vielmehr ist ein ganzheitlicher Blick gefragt und wahrscheinlich am allerwichtigsten ist das Wissen über die Interaktion des eigenen Fachgebietes mit benachbarten Themenfeldern, also z.B. die Auswirkung auf die bestehenden Prozesse und die Organisation des Kunden.

Beispiel:
Nehmen wir an, ein Kunde denkt über die Einführung eines Raumbuchungs-Systems nach. Von den diversen Anbietern wird der Kunde, so er sich überhaupt die Zeit nehmen will oder kann, sicherlich über jedes noch so kleine Feature des Produktes informiert. Aber wer startet, leitet und finalisiert den firmeninternen Prozess betreffend die organisatorischen Änderungen, die die Einführung solche eines Systems bedingen? Mit Sicherheit keiner der Anbieter, richtig? Und selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass der Systemanbieter solche Dienstleistungen liefern könnte bzw. wollte, wird man eher nicht darauf zugreifen. Die Wahrscheinlichkeit und somit das Risiko ist einfach zu hoch, dass trotzdem alles wieder sehr produktfokussiert abläuft. Dass also der der Schwanz mit dem Hund wedelt …

Ein anderes, brandaktuelles Thema:
Derzeit drängt eine neue Generation von digitalen Whiteboards auf den AV-Markt. Egal ob nun Google Jamboard, Microsoft Surface Hub oder auch das Cisco Spark Board, allen gemeinsam ist, dass diese Produkte tief in den jeweiligen Eco-Systemen (= Cloud Plattform) der Hersteller eingebettet sind. Pure IT-Produkte also? Nein, ganz im Gegenteil!
Es sind AV-Produkte mit Diplays, Lautsprechern, Mikrofonen und Kameras. Folglich sind auch Themen wie Blickwinkel, Sprachverständlichkeit, Display- vs. Raumgröße u.ä. absolut essentiell. Ohne jetzt den geschätzten Personen der IT-Branche nahetreten zu wollen: Dieses Spezialwissen ist weder bei den IT-affinen Vertriebsleuten noch bei den IT-Abteilungen des Kunden vorhanden, ist aber für eine optimales Ergebniss aber unumgänglich.

Ein externer Consultant kann speziell bei solchen Hype-Themen oftmals die nötige Ruhe, Besonnenheit und Stabilität einbringen.

Hypes gehen schnell vorüber, Ihre vorschnell gemachten Investitionen bleiben aber für viele Jahre in Ihrem Haus und in Ihrer Bilanz.

Spezialwissen ist somit die dritte Antwort auf die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting?.

Zusammenfassung

Während es in praktisch allen anderen Branchen auch in unseren Breiten mittlerweile umfangreiche Consultingprojekte gibt, wird diese strukturierte Vorgangsweise in der Medientechnik noch viel zu wenig verwendet.

Nachfolgend ein paar kritische Fragen als kleiner Denkanstoß:

  • Haben Sie bzw. Ihre Mitarbeiter wirklich die Zeit, sich dem Thema in angemessener Intensität und Dauer zu widmen?
  • Haben Sie genügend Inhouse-Ressourcen und KnowHow, um, die von außen auf Sie eindringende Informationsflut in konkrete Handlungen umsetzen zu können? Um daraus eine mittel- und langfristige Planung und Strategie ableiten zu können?
  • Gibt es einen formalen Prozess, der die Erfahrungen mit der aktuellen Medientechnik in Ihrer Organisation strukturiert erfasst, analysiert und daraus wertvolle Kenntnisse für künftige Kursänderungen oder Technologiewechsel liefert?
  • Hatten Sie in der Vergangenheit immer das Gefühl, einem technischen Planer all relevanten Infos geliefert zu haben, dass dieser Ihre Wünsche und Anforderungen optimal umsetzen konnte? Oder haben Sie sich darauf verlassen, dass diese „schon das Richtige“ für Sie aussuchen werden?
  • Glauben Sie, dass auch in der Medientechnik signifikante Einsparungspotentiale schlummern, diese derzeit aber mangels Ressourcen nicht gehoben werden?

Ich hoffe, Sie für die Frage Warum eigentlich Medientechnik Consulting? ein wenig sensibilisiert zu haben und freue mich auf Ihr Feedback hier als Kommentar oder in den sozialen Netzwerken.

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