MS Teams nativ auf Cisco Devices

Cisco Webex

Was wahrscheinlich die Allermeisten für immer und ewig ausgeschlossen hätten, wird nun überraschend doch Realität. Man kann es auch ein Erdbeben in der UC-Welt nennen.
Die ewigen Rivalen CISCO und Microsoft kooperieren: MS Teams läuft nativ auf Cisco Collaboration Devices!

Worum geht es?

Heute, am 12. Oktober 2022 wurde im Rahmen der Microsoft Ignite 2022 angekündigt, dass die Microsoft Collaboration Plattform TEAMS ab 2023 nativ auf ausgewählten Cisco Webex Geräten laufen wird. Dazu zählen u.a. das Cisco Room Kit Pro, die Cisco Room Boards oder die neue Cisco Room Bar.

Wie wird es gemacht?

Über die technischen Details ist noch sehr wenig bekannt bzw. als öffentliche Information verfügbar. Daher erhebt die nachfolgende Beschreibung keinen Anspruch auf Richtigkeit; ich bin aber recht zuversichtlich, richtig zu liegen.

Aktuelle Cisco Webex Devices laufen unter dem sogenannten RoomOS, einer stark angepassten Linux-Variante. Mit dem neuen Release RoomOS 11 lernte das System nun offensichtlich ein paar ganz neue Tricks.

Der MS Teams Client wird nun aber nicht als zusätzliche Linux App auf dem RoomOS installiert. Das wäre zwar einfach, scheitert aber daran, dass Microsoft vor Kurzem die Entwicklung eines nativen Linux-Clients einstellte. (Quelle)

Stattdessen läuft auf dem RoomOS eine Container-Umgebung (Erklärung)  und der MS Teams Client als Container innerhalb dieser Virtualisierung. Man darf mit einiger Sicherheit vermuten, dass es sich um einen Android-Container handelt.

MS Teams nativ auf Cisco Devices

Dieser auf den ersten Blick etwas komplexe Aufbau hat aber einige signifikante Vorteile.

  1. Da der Android-Teil virtualisiert ist, also nicht direkt auf die Cisco Hardware zugreift, braucht man dafür auch keine speziellen Treiber. Dies wiederum erleichtert es enorm, die Android Version aktuell zu halten. Damit wird höchst elegant das aktuelle Problem der beschränkten Supportdauer von MTRoA Systemen umgangen! Sehr schlau!
  2. Alle fortgeschrittenen Software-Funktionen der Cisco Devices können problemlos auch im MS Teams Modus betrieben werden. So ist z.B. das hochwertige Audio Processing von Babblelabs (Blogpost Link) weiterhin verfügbar, weil es eben „außerhalb“ des Containers läuft. In anderen Worten: Die MS Teams App bekommt gar nicht mit, welche Hardware mit welcher Funktionalität tatsächlich im Gerät verbaut ist.
  3. Da Cisco RoomOS „oberhalb“ des Android-Containers läuft, sind Management-Funktionen wie der Cisco Webex Control Hub weiterhin verfügbar.
    Detto sollten die umfangreichen Programmier-Möglichkeiten von RoomOS wie bisher nutzbar sein. Auch die Netzwerk-Anbindung inkl. 802.1x bleibt beim Host und betrifft den MS Teams Teil überhaupt nicht.

Davon abgesehen ist der native MS Teams Client natürlich viel besser als die bisherige Lösung mit dem Direct Guest Join. Dabei trafen sich Webex und Teams per WebRTC. Das ist zwar gut und brauchbar, bietet aber nur einen Bruchteil der Funktionalität im Vergleich zu einem nativen MS Teams Call.

Offene Fragen:

Bei aller Freude und Euphorie über „MS Teams läuft nativ auf Cisco Collaboration Devices“ bleiben natürlich einige offene Fragen:

  1. Cisco Webex Control Hub und das MS Teams Admin Center (=TAC) sind konkurrierende Management-Plattformen. Die künftigen Cisco Webex Geräte werden also an beide Plattformen Daten liefern? Aber auf welcher Plattform findet man dann was?
    Videobasiertes People-Counting können beide Plattformen. Während bei nativen MTRs (Microsoft Teams Rooms Systemen) diese Information im TAC landet, werden Cisco Webex Devices dies wahrscheinlich im Control Hub hinterlegen. In gemischten Roll-Outs macht dies die Daten-Aggregation nicht einfacher.
  2. Es bleibt offen, wieviel der tollen Cisco Hardware-Funktionen es durch das Nadelöhr Virtualisierung schaffen. Also wieviel davon noch beim MS Teams Client ankommt. Wer kümmert sich also um die Smart Kamera Features wie People Framing, Speaker Tracking u.ä.
  3. Die Lösung ist primär für jene Kunden interessant, die schon bisher massiv in Cisco Webex Hardware investiert waren. Im Vergleich zu nativen MTRs anderer Hersteller ist man preislich in einer komplett anderen Liga. Es bleibt abzuwarten, ob Cisco hier bei den Hardware-Preisen sowie bei der Software-Wartung sich vielleicht ein wenig anpasst und dem MTR-Mitbewerb ein wenig entgegenkommt.

Konkrete Vorteile

Bei den allermeisten Organisationen ist aktuell Microsoft 365 und somit MS Teams Standard. Viele davon haben viele Cisco Webex Devices in ihren Meetingräumen, welche Pandemie-bedingt gar nicht so viel genutzt wurden. Mit der großen Return-To-Office-Welle stellt sich aber die Frage, was tun mit der bestehenden Cisco Webex Hardware, wenn die ganze Firma fast nur mehr Teams Calls macht. Diese gegen MTRs auszutauschen wäre mit hohen Kosten verbunden und kommt auch nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt.

Wenn aber Cisco nun (nicht alle aber einige) ihrer Webex Devices auf diesem Wege zu nativen MS Teams Clients umrüstet, dann bekommen die Nutzer volle MS Teams Funktionalität auf der bestehenden Webex Hardware.

Medientechnik Consulting ist wichtiger denn je

Die Konkurrenz zwischen Cisco und Microsoft ist nicht auf die Hersteller beschränkt; auch der Sales Channel und die Mehrzahl der Integratoren hat sich für das eine oder andere entschieden. Bei hybriden Setups wie den hier beschriebenen ist aber Know-How von beiden Seiten nötig. WER kann hier professionell beraten und konkrete Projekte umsetzen.

An dieser Stelle sei mir ein klein wenig Eigenwerbung gestattet. Als einer der ganz, ganz wenigen Dienstleister darf ich vermelden, dass ich sowohl auf der Cisco wie auch auf der Microsoft Seite über entsprechende Kompetenzen sowie Zugänge verfüge:

  • Microsoft Teams Rooms Solution Sales Professional
    UND
    Technical Solutions Professional
  • Cisco Advisor Partner Program Select Member

Wenn Sie auf der Suche nach plattform-übergreifender Beratung zum Thema „MS Teams läuft nativ auf Cisco Collaboration Devices“ sind, dann freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

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